Portrait im Grünen

Ein Portrait vor einer mit Kletterpflanzen bewachsenen Mauer

Heute haben wir uns beim Thema Portrait für gleich zwei Titelbilder, geschossen von Lucas, entschieden. Das eine zeigt ein Model, das in eine mit Kletterpflanzen bewachsene Mauer eintaucht. Das Model spielt mit den satt-grünen Blättern, die die Mauer komplett bedecken und im Hintergrund ist ein sehr schöner Unschärfeverlauf zu sehen.

Auf dem Zweiten steht das Model vor dem Steinpfosten eines eisernen Zauns, wobei insgesamt sehr wenig vom Hintergrund zu sehen ist.

Anhand dieser beiden Bilder will ich euch nun erklären, wie ihr euch eine gute Location für euer nächstes Portrait-Shooting aussuchen könnt und was ihr dabei zu beachten habt.

 

 
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Portrait im Grünen

Ein Portrait vor einer mit Kletterpflanzen bewachsenen Mauer

 

 

Das Portrait-Hintergrundmotiv

Auf der Suche nach einem passenden Hintergrund solltet ihr euch zunächst das Model genauer anschauen. Denn beim Schießen von Portraits spielt die Augenfarbe des Models eine sehr wichtige Rolle. In den meisten Fällen macht es Sinn diese durch den Hintergrund zu betonen. Hat euer Model beispielsweise

Portrait im Grünen

Beispiel 1: Ein Portrait vor einer mit Kletterpflanzen bewachsenen Mauer

blaue Augen, solltet ihr euch nach einem blauen Hintergrund, wie zum Beispiel klarem blauen Himmel, oder blauem Wasser umschauen. Hat das Model braune Augen, bietet sich ein brauner Hintergrund, wie die Wand einer Scheune oder ein Baum an. Natürlich wollen wir die grünen Augen nicht vergessen, hier sucht ihr euch am Besten einen Platz mit sattem Grün im Hintergrund, wie zum Beispiel eine Wiese oder, wie in unserem Beispiel gezeigt, eine dicht bewachsene Mauer.

Habt ihr einen Ort gefunden, der die Augen des Models ausreichend betont, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass der Hintergrund nicht zu aufregend ist. Viele verschiedene Objekte oder Farbwechsel im Hintergrund lenken, teilweise auch bei starkem Bokeh, zu sehr vom Model ab. Sucht stattdessen lieber einen Ort mit einigen wenigen klaren Linien im Hintergrund, wie zum Beispiel einer Allee oder einem leicht ansteigenden Berg. Solche Linien verleihen eurem Portrait Tiefe und bringen Spannung ins Motiv.

Wer aus der Kunst kommt, wird zudem sicher schon davon gehört haben, dass selbst die Richtung dieser Linien Wirkung auf den Ausdruck des Bildes hat. So wirken horizontale Linien beruhigend, wohingegen senkrechte Linien das Bild aufregender machen; von links nach rechts ansteigende Linien sind positiv, abfallende negativ. Somit kann man unterbewusst durch richtige Auswahl des Hintergrundes die Wirkung der Stimmung des Bildes verstärken, wie im zweiten Beispiel gut zu erkennen ist. Hier wurden im Hintergrund bewusst viele senkrechte Linien eingesetzt, um die Spannung im Bild zu verstärken.

 

 

Der Kontrast

Auch einen farblichen Kontrast sollte der Hintergrund zum Model unbedingt bieten, um zu vermeiden, dass dieses verloren geht. Beachtet man dies nicht, erhält man unter Umständen ein langweiliges Einheitsbild, das das Model sicher nicht zufriedenstellen wird. Lässt sich der farbliche Kontrast in keinem Fall stark genug ausprägen, bleibt aber immerhin noch die Möglichkeit der unterschiedlichen Helligkeit. Dafür sucht ihr euch am Besten einen schattigen Platz und hellt das Model beispielsweise mit einem Reflektor auf. Dadurch wird das Model ins Spotlight gerückt und sticht deutlicher aus dem Hintergrund hervor. Diese Technik wurde im ersten unserer Beispiele angewendet.

 

Portrait vor einem Zaun

Ein Portrait von und mit Sophia Handwerk vor einem Zaun

 

 

Das Licht

Gerade bei Available Light-Shootings, also Shootings ohne Blitz, solltet ihr euch bei Portrait-Shootings für die richtige Tageszeit entscheiden. Denn gerade die grelle Mittagssonne kann das Bild mit ihren harten Schatten schnell sehr unnatürlich wirken lassen. Besser ist es die Shootings vormittags oder am späten Nachmittag anzusetzen, da das Licht hier weniger stark ist und somit in deutlich weicheren Schatten und gleichmäßigerem Licht resultiert.

Außerdem könnt ihr zu diesen Tageszeiten Licht und Schatten auch zu eurem Vorteil nutzen. Oft wird ein Motiv deutlich interessanter, wenn im Hintergrund die vielen kleinen Schatten der Blätter eines Baumes zu sehen sind. Auch Schatten im Gesicht können durchaus Abwechslung ins Bild bringen. Dabei solltet ihr aber unbedingt darauf achten, dass es im Schatten noch hell genug ist, dass man die im Schatten liegende Struktur erkennen kann, gleichzeitig die hellen Bereiche aber nicht ausbrennen.

 

 

Das Bokeh

Hintergrund

Portrait vor einem Zaun

Beispiel 2: Ein Portrait von und mit Sophia Handwerk vor einem Zaun

Das auffälligste Merkmal in der Portrait-Fotografie ist jedoch das Bokeh. Mit dessen Hilfe könnt ihr gezielt den Fokus auf das Model lenken und das Bild

gleichzeitig interessanter machen. Ein starkes Bokeh erzielt ihr, wenn ihr das Model weit von dem Hintergrund entfernt stellt. Jedoch macht es oft Sinn, wenn dieses nicht zu stark ist und man noch grob erkennen kann, was im Hintergrund zu sehen ist. Fotografiert ihr beispielsweise, wie in unserem ersten Bild zu sehen, an einer Wand entlang, so wird ein Unschärfeverlauf sichtbar, der den Blick des Betrachters direkt zum Model lenkt.

Habt ihr einen relativ kleinen Bildausschnitt gewählt und ist ohnehin wenig vom Hintergrund zu sehen, kann es aber auch Sinn machen das Bokeh so gering, wie möglich zu halten, um das Bild für den Betrachter spannender zu gestalten. So sind in unserem zweiten Beispiel die Streben des Zauns und das Muster der Steine deutlich erkennbar. Durch den farblichen Kontrast, lenkt der Hintergrund somit nicht vom Model ab und die klaren Linien bringen gleichzeitig mehr Spannung ins Motiv. Ganz ohne Bokeh kommt jedoch auch dieses Bild nicht aus. So ist der Hintergrund des Zauns wiederum sehr unscharf, um den Fokus auf den Zaun und das Model und nicht das Geschehen hinter dem Zaun zu lenken.

Vordergrund

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der Vordergrund. Auch hier gibt es ein Bokeh, womit ihr euer Bild deutlich spannender gestalten könnt. Es gilt dabei: Je näher der Vordergrund am Objektiv ist, desto stärker das Bokeh. Ein paar Blätter am unteren oder oberen Rand oder ein Zaunpfahl, der das Bild dezent schneidet, kann aus einem langweiligen auch schnell ein deutlich interessanteres Motiv machen.

 

 

 

Ihr seht also, es spielen bei Portrait-Shootings mehr Faktoren eine Rolle, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Deshalb solltet ihr euch unbedingt vor dem Shooting ausreichend Gedanken zur Location und der Tageszeit machen und auch während des Shootings mit verschiedenen Einstellungen arbeiten.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es durchaus sehr hilfreich sein kann, wenn ihr euch nicht mit einer Location zufrieden gebt. Wechselt lieber ein paar mal den Ort, denn das kann euch eine deutlich größere Vielfalt an Bildern und somit vielleicht auch das für euch perfekte Bild einbringen.

Ihr wollt erfahren, was ihr technisch bei Portraits zu beachten habt und was ihr mit eurem Model anstellen könnt? Dann lest den 2. Teil dieses Beitrags!

 


 

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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