HDR-Fotografie - Reichstag in Berlin

Ein HDR vom Reichstag in Berlin

Dieses mal beschäftigen wir uns mit der HDR-Fotografie – allem, was ihr dazu wissen müsst und natürlich auch ein Beispiel, wie es nicht aussehen soll. Denn hier gibt es Einiges zu beachten, wenn ihr technisch erfolgreich fotografieren wollt.

Um euch dies zu erläutern, haben wir ein Beispiel-Motiv gewählt, das euch allen bekannt sein sollte: Der Reichstag in Berlin. Das Gebäude im Stil der Neorenaissance weißt einige Merkmale auf, die gerade nachts besonders gut die Vorteile der HDR-Fotografie verdeutlichen.

 

 

 

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Was ist HDR – High Dynamic Range – überhaupt?

Bevor ich beginne, euch zu erläutern, auf was ihr hierbei achten müsst, solltet ihr zunächst wissen, was überhaupt HDR-Fotografie ist.

Bei einem HDR handelt es sich keineswegs um ein einzelnes Foto, wie man es zunächst vielleicht denkt. Vielmehr handelt es sich um eine zusammengesetzte Belichtungsreihe. Diese sollte sowohl stark überbelichtete, als auch gut und sehr gering belichtete Fotos enthalten.

Entsprechend zusammengesetzt ergibt diese Belichtungsreihe dann ein Foto mit extrem hohem Kontrast und Dynamikumfang, bei dem man, wurde die Technik korrekt durchgeführt, alle Details und Strukturen in Schatten und Licht sehr gut erkennen kann. Diese Ausgewogenheit entspricht dabei deutlich mehr der Art des menschlichen Sehens, als es bei der normalen Fotografie möglich ist.

 

Wo macht HDR-Fotografie Sinn?

Grundsätzlich macht diese Technik überall und nirgends Sinn. Es kommt schlichtweg auf die Umstände und die Intention an.

 

HDR-Landschaftsaufnahme

Möchtet ihr zum Beispiel eine Landschaftsaufnahme machen und gleichzeitig den wunderschön orange gefärbten Himmel gut erkennbar darstellen, lässt sich dies wunderbar mit einer HDR-Aufnahme umsetzen. Als Ergebnis erhaltet ihr eine gut belichtete Landschaft und zugleich einen nicht zu hellen Himmel mit gut erkennbarer Wolkenzeichnung. Dadurch lassen sich gerade in den Abendstunden sehr atmosphärische und ausgewogene Aufnahmen machen.

 

HDR-Architektur-Fotografie

Auch in der Architektur-Fotografie kann eine HDR-Aufnahme durchaus Sinn machen. Habt ihr bedingt durch die Architektur des Gebäudes nämlich beispielsweise sehr unterschiedliche Lichtverhältnisse, könnt ihr diese mit Hilfe eines HDRs sehr wirksam ausgleichen, sodass man sowohl die Details der hellen, als auch der schattigen Stellen auf eurem Foto gut erkennen kann. Dies wird auf unserem Beispiel sehr gut deutlich. Hier sind zum Einen die hervorstehenden Elemente nicht überbelichtet, und gleichzeitig die Details der innenliegenden Elemente noch sehr gut erkennbar.

 

HDR-Produkt-Fotografie

Selbst bei der Produkt-Fotografie kann es von Vorteil sein diese Technik einzusetzen. Denn gerade in diesem Bereich ist es besonders wichtig, dass alle Details auf den Fotos erkennbar sind. Soll also ein Produkt mit besonders vielen Einbuchtungen oder ähnlichem fotografiert werden, kann gerade der Einsatz von Blitzen durchaus auch kontraproduktiv sein. In solchen Situationen bietet sich ein HDR an. Damit könnt ihr wieder alle möglicherweise zu schattigen Stellen gut hervorheben und sichtbar machen, ohne dass der Rest des Produkts zu hell wird.

 

HDR-Fotografie - Reichstag in Berlin

Ein HDR vom Reichstag in Berlin aufgenommen von Lucas

 

HDR in Gebäuden

Die wohl beliebteste Einsatzmöglichkeit von HDR-Aufnahmen ist die Aufnahme innerhalb von Gebäuden. Wer kennt das nicht? Man befindet sich in einem alten, verwinkelten Haus mit übergroßen Fenstern und beim Versuch die Stimmung des Raums einzufangen habt ihr lediglich zwei Möglichkeiten: entweder ihr belichtet so, dass der Raum die richtige Helligkeit hat, wobei dann jedoch die Fenster ausgebrannt sind, oder ihr versucht die Fenster nicht ausbrennen zu lassen, erhaltet dann jedoch einen viel zu dunklen Raum. Setzt ihr hier die HDR-Technik ein, löst sich dieses Problem und man kann auf dem Foto sowohl einen gut belichteten Raum, als auch die Bäume vor dem Fenster betrachten. Besonders in diesen Einsatzgebieten ist ein HDR nahezu unverzichtbar, da der Sensor der Kamera nicht in der Lage ist, den Dynamikumfang des menschlichen Auges abzubilden, der notwendig ist, keine Über- oder Unterbelichtungen zu erhalten. 

 

Wie natürliche HDRs nicht aussehen sollten

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein Negativ-Beispiel eines HDRs vorstellen. Denn gerade hier kann man einiges falsch machen.

HDR-Fotografie - Kirche surreal

Ein surreales HDR von einer Kirche

Zunächst solltet ihr unbedingt darauf achten, dass es im fertigen Bild keine leuchtenden Konturen gibt. Das sieht nicht gut aus und jeder, der sich damit auskennt, weiß, dass ihr die Technik nicht beherrscht oder einfach in der Nachbearbeitung alle Regler einfach auf „100%“ geschoben habt. Diesen „Fehler“ erkennt ihr besonders an den Fugen der Natursteine an der Fassade der Kirche im links stehenden Bild.

Des Weiteren sollte euer Bild nicht surreal wirken. Natürlich kann das gewollt sein, ist es in den meisten Fällen aber nicht. Ein HDR dient in der Regel der besonders natürlichen Darstellung von unterschiedlichen Lichtverhältnissen. In unserem Beispiel wirkt die Kirche durch die besonders stark gezeichneten Schatten und Lichtreflexionen sehr surreal und die Vorteile der HDR-Fotografie werden nicht ausgenutzt, nein, sie werden sogar regelrecht umgekehrt.

Der offensichtlichste Punkt ist jedoch, dass das Bild nicht gerade nah an einer normalen Aufnahme sein sollte. Denn dann kann man sich den Aufwand auch sparen. Hat man sich die Mühe gemacht eine Belichtungsreihe – auch wenn das mittlerweile viele Kameras im Bracketing-Modus automatisch können – aufzunehmen und ist auf dem fertigen Foto dennoch kein einziges Detail im Schatten zu sehen oder sind weiterhin helle Bereiche ausgebrannt, hätte man stattdessen auch einen schnellen Schnappschuss machen können.

 

Fazit

Ihr seht also, es gibt doch einiges zu beachten, wenn ihr ein technisch gutes HDR umsetzen wollt. Aber nun habt ihr zumindest einige Anhaltspunkte, an denen ihr euch bei eurem nächsten Shooting entlang hangeln könnt.

Und sollten die ersten HDRs keine Meisterleistung werden, gebt nicht gleich auf. Wir alle haben irgendwann damit angefangen und auch unsere ersten Aufnahmen sind nicht alle etwas geworden. Immer daran denken: Übung macht den Meister 😉

Wenn ihr jetzt richtig Lust bekommen habt, euer erstes HDR zu schießen, aber nicht wisst, wie ihr das anstellen sollt, dann lest unbedingt auch den zweiten Teil des Blogeintrags!

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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