Ein HDR vom Reichstag in Berlin

Ein HDR vom Reichstag in Berlin

Die HDR-Fotografie ist ein spannedes Thema, da es hierbei etwas technischer zur Sache geht. Man benötigt neben der Kamera und einem Stativ auch Kenntnisse in der Benutzung von HDR-Software. Dabei kann es sich um spezielle Programme handeln oder man nutzt die Stack-Funktionen von Photoshop. In diesem Beitrag werden die Erläuterungen an Hand meiner Nikon D750 und Photoshop in der aktuell neusten Version CC 2018 gemacht.

 

Kamera: Einstellungen

Moduswahlrad Nikon - Foto: neunzehn72.de

Moduswahlrad Nikon – Foto: neunzehn72.de

Bei HDR-Aufnahmen ist es durchaus von Vorteil, ein gewisses Grundverständnis der drei Einstellungswerte von Blende, ISO und Belichtungszeit mitzubringen, da mit eben diesen Einstellungen das Ausgangsmaterial für ein späteres HDR-Bild angefertigt wird. Eine Angabe zu den „perfekten Einstellungen“ können wir hier nicht geben, da dies sehr situationsbedingt ist.

Während den Aufnahmen ist es von großer Bedeutung, den Weißabgleich auf einen festen Wert einzustellen, den Fokus nach der ersten Fokussierung auf manuell einzustellen und, wie bei Stativaufnahmen üblich, den Bildstabilisator (falls vorhanden) auszuschalten. Die Einstellung des manuellen Modus in der Kamera ist ebenfalls Voraussetzung.

Wenn es die Kamera unterstützt, eignet sich die Aktivierung der Spiegelvorauslösung, um Verwackelungen weiter auszuschließen.

 

Der Ablauf

Nachdem man sich einen passenden Foto-Spot gesucht hat, kann man sich mit dem Aufbau und den Einstellungen der Kamera beschäftigen. Wie ihr den perfekten Foto-Spot findet, um ein HDR aufzunehmen, lest ihr hier in unserem vorhergehenden Beitrag.

Nun zur Kamera selbst: Ihr verwendet ein Objektiv eurer Wahl. Dieses sollte natürlich euer Motiv darstellen. Am Besten eignen sich auf Grund der hohen Flexibilität dazu Zoom-Objektive im groben Brennweitenbereich zwischen 20 und 120mm. Wir haben bei allen hier gezeigten HDRs ein 24-120mm Objektiv genutzt. Selbstverständlich könnt ihr auch jedes Andere nutzen.

Die Einstellungen eurer Kamera passt ihr situationsbedingt an. Da HDR-Bilder sowohl am Tag, sowie auch nachts oder in der Dämmerung gemacht werden können, machen wir in diesem Artikel keine genauen Vorgaben zu den Werten.

Grundsätzlich gilt, dass das Ausgangsbild für eure Belichtungsreihe so aussehen muss, dass ihr es auch als einzelnes Bild verwenden könntet. Man sollte möglichst viel erkennen, es muss scharf sein und der Bildaufbau sollte vorzugsweise ebenfalls passen.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, eine Belichtungsreihe aufzunehmen. Zuerst gehe ich auf die „manuelle“ Art und Weise ein, danach auf die automatische Bracketing-Funktion der Kamera. Diese ist in allen größeren Nikon-Modellen verfügbar und funktioniert auf sehr ähnliche Funktionsweise.

 

Manuelle Belichtungsreihe

Bei der manuellen Aufnahme einer Belichtungsreihe arbeite ich folgende Schritte ab, nachdem ich die Kamera fest auf einem Stativ montiert habe:

  1. Einstellung der Kamera auf ein normal, gut belichtetes Foto
  2. Aufnahme des Ausgangsbildes mit vorher getätigten Einstellungen
  3. Abschalten des Autofokus (wichtig, da der Fokus sonst eventuell von Bild zu Bild springt)
  4. Einstellung der Kamera auf ein unterbelichtetes Foto, in dem die hellen Bereiche gut erkennbar sind
  5. Aufnahme des Bildes
  6. Einstellung der Kamera auf ein überbelichtetes Foto, in dem die dunklen Bereiche gut erkennbar sind
  7. Aufnahme des nächsten Bildes

Wichtig dabei: die Kamera darf während den einzelnen Aufnahmen nicht bewegt werden. Die Schritte 4 bis 7 könnt ihr beliebig oft mit dunkleren und helleren Aufnahmen wiederholen. HDR-Fotos sollten aus mindestens 3, 5, 7, 9 oder noch mehr Bildern, jedoch immer aus einer ungeraden Anzahl, bestehen.

beispielhafte HDR Belichtungsreihe

beispielhafte HDR Belichtungsreihe – Foto: wikimedia

Automatischer Bracketing-Modus (Nikon)

Da die Aufnahme einer Belichtungsreihe relativ einfach automatisierbar ist, können wir auch den so genannten Bracketing-Modus benutzen. Dieser Modus nimmt mit einem Mal Drücken auf den Auslöser alle vorher eingestellten Fotos mit entsprechenden Sprüngen in der Blende auf, was in jedem Fall verhindert, dass die Kamera zwischen den Aufnahmen bewegt wird und somit die Belichtungsreihe unbrauchbar wird. Andere Einstellungen außer der Blende müsst ihr nicht verstellen.

Im folgenden Video wird an der Nikon D750 erklärt, wie dieser Modus funktioniert.

Generell gilt auch im Automatik-Modus, dass ihr die Kamera nicht bewegen dürft oder das Bild aus 3, 5, 7 oder 9 Bildern bestehen darf.

Habt ihr eure Bilder aufgenommen, geht es mit der Nachbearbeitung am Computer weiter. Das Stacken (Zusammensetzen) der Bilder geschieht weitgehend automatisch und funktioniert seit Photoshop CS6 sehr ähnlich.

 

Bilder stacken

Da auch hier Bilder und Videos besser erklären können, wie das Stacken funktioniert, hier statt eines Textes ein Erklärvideo:

Mit HDR-Fotos lassen sich hervorragend schöne Bilder erstellen, die der Sicht des menschlichen Auge sehr nahe kommen und natürlich wirken.

 

Die Nachbearbeitung

Photoshop Farbprofil

Photoshop Farbprofil – Foto: drehphase.de

Die Nachbearbeitung eines HDR-Fotos kann nachträglich in Photoshop, wie bei einem normalen Bild auch, erfolgen. Als Rohmaterial für das HDR eignen sich am Besten RAW-Dateien, da diese wesentlich besser aneinander angepasst werden können. Weiterhin sollte zur Bearbeitung das Farbprofil genutzt werden, in denen das Ausgangsmaterial aufgenommen wurde. Andernfalls kann es zu unvorhergesehenen Problemen bei der Farbdarstellung kommen.

Wie ihr das entsprechende HDR-Bild nachbearbeiten müsst ist hier ebenfalls wieder von Aufnahme zu Aufnahme unterschiedlich. Meistens treten auf HDR-Fotos Bild- oder Sensorflecken auf. Diese könnt ihr mit Hilfe des Stempelwerkzeuges entfernen. Farbanpassung oder Nachschärfen gehören meist auch zum Bearbeitungs-Workflow.

 

Fazit

HDR-Aufnahmen erleichtern in schwierigen Lichtsituationen die Aufnahme von Fotos und Bilden Fotos sehr natürlich ab. Auch als Stilmittel lässt sich HDR einsetzen, da viele Fotografen die Einstellungen oft zu unverkennbaren Fotos verändern.

Wir würden uns freuen, wenn ihr euch an HDR-Aufnahmen mit eurer Kamera versucht. Lasst uns in den Kommentaren wissen, wie gut ihr zurecht kamt und zeigt uns auch gerne eure Ergebnisse.

Nächste Woche Dienstag erscheint wieder wie gewohnt ein neuer Beitrag zu einem anderen fotografischen Thema – Wiederkommen lohnt sich also!

Autor: Lucas

Mein Name ist Lucas Mehler, bin 22 Jahre alt und studiere ebenfalls Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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