Beauty-Shooting mit Kreide

Beauty-Shooting mit Kreide

Als Fotograf sollte man kreativ sein. Damit ihr nicht immer alle Fotos ohne Accessoires schießt, wollen wir euch heute einen Denkanstoß in eine noch recht neue Welt geben. Wir setzen Kreide ein, um unser Model etwas zu „verzieren“.

Was genau die Fotografie mit Kreide ausmacht und wie sich dies auf das Bild auswirkt, lest ihr im folgenden Artikel. Also, zieht euch Klamotten an, die dreckig werden dürfen und macht euch startklar!

 

 

Kreide – wo macht ein Einsatz Sinn?

Generell kann man das Model in jeder Situation mit Kreide bestreuen. Am Besten wirkt es jedoch, wenn Nahaufnahmen, also Portraits oder sogar nur Bildausschnitte vom Gesicht fotografiert werden. Etwas später zeigen wir euch noch Aufnahmen in höherer Auflösung.

Je nach gewollter Bildwirkung macht es ebenfalls Sinn, solche Aufnahmen im Studio vorzunehmen, um vom Model durch den Hintergrund nicht zu sehr abzulenken. Je heller der Hintergrund, desto extremer Wirken die Farben und desto höher ist der Farbkontrast.

 

 

Welche Kreide sollte ich benutzen?

Ölkreide - Foto: https://t3.ftcdn.net

Ölkreide – Foto: https://t3.ftcdn.net

Es spielt keine gesonderte Rolle, welche Kreide genau eingesetzt wird. Tafelkreide eignet sich allerdings eher weniger, da diese schlecht an der Haut haftet. Ölhaltige Kreide eignet sich dabei am Besten, da diese durch ihre leicht klebrigen Eigenschaften nahezu perfekt hält, ohne von der Haut zu fallen. Wer möchte kann glitzerhaltige Kreide verwenden oder eine geringe Menge Glitzerpulver zumischen. Durch den späteren Aufbau des Blitzes wird das Glitzerpulver stark sichtbar sein.

 

 

Kleidung

Was trägt das Model am Besten bei den Fotos? Nunja, man könnte auf unseren Fotos vermuten: gar nichts. Ihr könnt natürlich euer Model bitten, anzuziehen, was ihr möchtet. Jedoch lenkt auch bei solchen Aufnahmen teilweise sehr vom eigentlichen Motiv ab. Bei den gezeigten Aufnahmen trug das Model ein schulterfreies Top, jedoch ist davon nichts zu sehen. Beachtet bitte, dass bei den Aufnahmen immer etwas Kreide herunterfallen und die Location oder die Kleidung verunreinigen kann. Daher solltet ihr etwas unterlegen und dem Model – außer es soll so sein – keine Kleidung vorschlagen, die Schmutz nicht vertragen. Ein teures Abendkleid sollte es also bestenfalls nicht sein.

 

Beauty-Shooting mit Kreide

Beauty-Shooting mit Kreide

 

Studioaufbau

Studioaufbau - Foto: www.stephanwiesner.de

Studioaufbau – Foto: www.stephanwiesner.de

Da unsere Aufnahmen im Studio entstanden sind, beschreiben wir das Vorgehen auch an Hand vom Aufbau im Studio. Solltet ihr die Aufnahmen außerhalb eines Fotostudios machen wollen, haltet euch doch an die Beschreibungen in unserem Portrait-Shooting-Beitrag.

Grundsätzlich gibt es verschiedene denkbare Aufbauten für das Blitz-Setup. Hier beschreiben wir das wohl am häufigsten eingesetzte Setup um einen möglichst durchgängig hellen Hintergrund ein ein gut ausgeleuchtetes Gesicht mit nicht zu harten Schatten zu erhalten.

Im Hintergrund setzen wir zwei sogenannte Striplights ein, jeweils eins rechts und eins links und hellen somit den Hintergrund auf. Würden wir diese Lichter weglassen, wäre auf dem fertigen Foto der Hintergrund nicht mehr gänzlich weiß, da der Dynamikumfang des Kamerasensors diese Darstellung nicht ermöglicht.

Da wir auch unser Model noch beleuchten müssen, gibt es hier zwei wichtige Arten von Blitzaufsätzen. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: wir setzen eine sehr große Octabox, also eine achteckige Softbox ein. Diese erzeugt ein sehr breit aufgefächertes, weiches Licht. Daher entfallen bei frontaler Beleuchtung etwaige Schatten im Gesicht und der Schatten des Models auf dem Hintergrund fällt, sofern nicht durch die Striplights im Hintergrund überstrahlt, sehr weich aus.

Möchte man härtere Schatten im auf dem Hintergrund und eventuell auch im Gesicht, so setzt man einen sogenannten Beauty-Dish ein. Dieser generiert ein hartes, gerichtetes Licht.

Beide Setups sind gut denkbar und ermöglichen ein Spielen mit dem Licht. Auch die Reflexion der Kreide oder des Glitzerpulvers weicht voneinander ab. Das ist hier definitiv Geschmackssache oder eine Sache des zur Verfügung stehenden Equipments.

Striplight - Foto: amazon.de

Striplight – Foto: amazon.de

Octabox - Foto: bresser.de

Octabox – Foto: bresser.de

Beauty Dish - Foto: cowboystudio.com

Beauty Dish – Foto: cowboystudio.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorbereitung und Aufbringen der Kreide

Wie bereits oben beschrieben, nutzt ihr bestenfalls Kleidung, die Schmutz vertragen kann. Dazu eine Unterlage, die entweder abwaschbar ist oder danach nicht mehr benötigt wird. Euer Model sollte nicht oder nicht zu stark geschminkt sein, es sei denn, ihr spart die Bereiche um die Augen aus und wollt ein aufwändiges Make-Up mit in das Bild einbinden.

Ihr legt euer Model auf den Rücken auf den Boden und deckt den mit einfachem Zeitungspapier das Gesicht des Models dort ab, wo ihr keine oder eine andere Farbe der Kreide haben wollt. Ist dies erledigt, nehmt ihr eine Küchenreibe zur Hand und zerreibt über dem Gesicht des Models die Kreide. Das Pulver rieselt dann auf den nicht abgedeckten Bereich und bleibt dort haften. Bitte achtet darauf, keine Kreide in die Augen des Models zu streuen. Wollt ihr weitere Farben hinzufügen, deckt andere Bereiche auf und ab und wiederholt den Vorgang mit der Reibe und einer weiteren Farbe. Nachdem alles erledigt ist, pustet ihr das Gesicht des Models mit etwas Luft vorsichtig ab, um lose Kreide zu entfernen. Danach bittet ihr euer Model, vorsichtig und langsam aufzustehen. Häufige Wechsel des Gesichtsausdruckes sollten unterlassen werden, da der Kreidestaub sonst gelockert wird und herunterfällt. Am Besten habt ihr bereits vorher das Lichtsetup aufgebaut. So muss euer Model nicht zu lange warten.

 

 

Aufnahmen machen

Ist Alles vorbereitet und euer Model ist fertig präpariert, könnt ihr loslegen. Solltet ihr eure Kamera vorher nicht eingestellt haben, nehmt nun die Einstellungen an ISO, Blende und Belichtungszeit vor, sodass ein richtig belichtetes Bild entsteht. Beachtet bei der Nutzung von Studioblitzen deren Blitzsynchronzeit. Diese Zeit resultiert aus der Abbrenngeschwindigkeit des Blitzes und der Verzögerung durch Funkauslöser und gibt euch an, mit welcher maximalen Auslösezeit ihr fotografieren könnt, ohne unbelichtete Teile des Fotos zu erhalten. In der Regel liegt diese Zeit bei etwa 1/125 Sekunde.

Variiert eure eigene Position, nutzt verschiedene Objektive und lasst eure Kreativität spielen. Nachfolgend zeigen wir euch, dass es auch ansprechend sein kann, nur gewisse Gesichtsbereiche abzulichten.

Portrait mit Kreide - Einstellungsgröße: Detail

Portrait mit Kreide – Einstellungsgröße: Detail

 

 

Nachbearbeitung

Da in den meisten Fällen der Kreidestaub große Teile der Haut bedeckt, ist eine aufwändige Nachbearbeitung in Form einer Beauty Retusche oft nicht nötig. Richtet das Bild im Beschnitt so aus, wie ihr es haben wollt. Verstärkt den Kontrast, die Sättigung der Farben, die Klarheit um die einzelnen Kreidestückchen herauszuarbeiten und bearbeitet gegebenenfalls noch die Augen etwas nach. Dodge-and-Burn kann genutzt werden, um Hautstellen hervorzuheben oder etwas abzudunkeln. In dem Beispiel oben wurde noch etwas Lippenglanz hinzugefügt. Schlussendlich sollte noch nachgeschärft werden. Fertig ist das Bild. Habt ihr Fotos gemacht, auf denen der Hintergrund sichtbar ist, bearbeitet diesen eventuell noch etwas, um eine durchgehend weiße Fläche zu erhalten und möglicherweise vorhandene Sensorflecken können mit dem Stempelwerkzeug entfernt werden.

 

 

Weiterführende Ideen

Das Gesicht ist nur der Anfang. Natürlich lässt sich bei einem Portrait auch noch der Oberkörper mit Kreide bestäuben. Dies liegt selbstverständlich im Auge des Fotografen und der Intention. Wer möchte, kann auch zum Beispiel Bodyparts fotografieren und diese mit Kreidestaub effektvoll hervorheben.

 

 

Fazit

Wir finden: Kreide auf Portraits ist ein cooler Look mit interessanten Ergebnissen. Weiterhin gibt es diese Bilder noch nicht all zu oft. So bringt ihr in eure Fotos mehr Kreativität und lernt, mit euren Models etwas zu experimentieren.

Habt ihr Lust, solche Fotos nachzumachen? Los geht’s! Zeigt uns gerne eure Ergebnisse und lasst uns an euren Ideen oder Fragen teilhaben. Wie immer stehen wir euch für Fragen zur Verfügung und freuen uns auch über Feedback.

Am Dienstag geht’s wie gewohnt weiter mit einem neuen, spannenden Thema rund um die Fotografie.

Autor: Lucas

Mein Name ist Lucas Mehler, bin 22 Jahre alt und studiere ebenfalls Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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