Objektiv - Was ist das?

Objektiv – Was ist das?

In diesem Beitrag behandle ich einmal etwas grundlegenderes, mit dem sich jeder angehende Fotograf auseinandersetzen muss: das Objektiv. Wer als Fotograf ernst genommen werden möchte und wirklich gute Ergebnisse erzielen will, sollte mit diesem Thema in jedem Fall vertraut sein und vielleicht zuhause auch mehr, als 2 Objektive im Schrank haben. Denn es gibt leider nicht das Super-Objektiv, das in jeder Situation optimale Bilder liefert.

 

 

Was ist ein Objektiv?

Gerade wenn man so gut, wie täglich mit Objektiven arbeitet, stellt man sich irgendwann die Frage: Was genau ist das eigentlich, das ich hier ständig auf meine Kamera drauf und wieder runter drehe?

Laut Wikipedia handelt es sich bei einem Objektiv um ein „sammelndes optisches System, das eine reelle optische Abbildung eines Gegenstandes (Objektes) erzeugt“. Doch was heißt das? Am einfachsten ist es, wenn ihr euch vorstellt, dass das Objektiv für die Kamera das selbe ist, wie für das menschliche Auge die Pupille und Linse. Hier wird der Lichteinfall, der Blickwinkel und die Brennweite geregelt bzw. vorgegeben.

Ich weiß, das klingt erst einmal recht komisch. Sieht so ein Objektiv ja nunmal gar nicht so aus, wie ein Auge. Betrachten wir ein solches jedoch einmal von Innen, wird schnell klar, was ich damit meine.

 

Objektiv von Innen

Objektiv von Innen [Quelle: Chip.de]

Bildwinkel

Im Wesentlichen besteht ein solches Objektiv aus mehreren verschiedenen Linsen, die entweder fixiert oder zueinander verschiebbar sind. Dabei ist die vorderste Linse das Schlüsselelement, das den Bildwinkel vorgibt und als Ankerpunkt für die Verschiebung der restlichen Linsen dient. So können durch verschieben der Linsen Brennweite (bei Zoom-Objektiven) und Fokusebene eingestellt werden. Das wird meistens über feine Gewinde, oder beim Autofokus über kleine Schrittmotoren geregelt.

 

Brennweite

Die sogenannte Brennweite gibt den Abstand der äußersten Linse zum Bildsensor der Kamera an. Hiermit steuert ihr den Abbildungsmaßstab eurer Perspektive. Hierbei gilt: je größer, desto näher die Perspektive. Dabei ist zu beachten, dass es bei gleichem Abbildungsmaßstab und Veränderung der Perspektive, je nach Objektiv, zu einer Verzerrung des abgebildeten Gegenstands kommen kann.

 

Blende

Außerdem besitzt ein Objektiv eine sogenannte Blende. Ein Ring, der den Lichteinfall in das Objektiv regelt. Diese wird bei neueren Kameras/Objektiven über die Kamera direkt gesteuert. Es gibt jedoch auch Objektive, bei denen ihr diese mit einem zusätzlichen Rad steuern müsst. Hierbei gilt: Je kleiner die Blendenzahl f, desto weiter ist die Blende geöffnet und desto geringer ist die Schärfentiefe. Im Allgemeinen wird die Blendenzahl x entweder im Format fx oder 1:x angegeben.

 

Was steht auf so einem Objektiv drauf?

So, da ihr jetzt ungefähr eine Ahnung davon habt, wie ein solches Objektiv aufgebaut ist, möchte ich nun erklären, was da eigentlich alles drauf steht. Denn mit dieser Beschriftung müsst ihr euch spätestens beim Kauf eines neuen Objektivs beschäftigen. Da sowohl Lucas, als auch ich selbst ausschließlich Nikon-Kameras verwenden, ist es für mich am Einfachsten, euch die Beschriftung eines solchen Objektivs einmal an einem Nikkor-Objektiv zu erklären. Grundsätzliche Angaben, wie Blende und Brennweite, findet ihr so, oder so ähnlich, auf jedem Objektiv. Die Buchstaben sind jedoch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Hierzu findet ihr meist auf der Herstellerseite einen Schlüssel, in dem alles verständlich erklärt wird. Den entsprechenden Schlüssel von Nikkor-Objektiven findet ihr übrigens hier.

Das untenstehende Bild zeigt euch das AF-S Nikkor 70-200mm f2.8G II ED von Lucas. Daran möchte ich euch kurz die wichtigsten Informationen einmal praktisch erklären. Mit dieser Beschriftung hatte nämlich selbst ich anfangs so meine Probleme.

 

Objektiv-Erläuterung

Objektiv-Erläuterung

  1. „N“: Vollformat-Objektiv (DX APS-C Objektiv)
  2. AF/AF-S: Auto-Fokus (AF-S entsprechend die Variante mit Ultraschallmotor – schneller, exakter, wesentlich leiser)
  3. 70-200mm: Brennweite des Objektivs
  4. 1:2.8: maximale Offenblende von f2.8
  5. G: Blendeneinstellung über Kameragehäuse (ohne Blendenring)
  6. ED: ED-Glas für sehr geringe Zerstreuung
  7. VR: Bildstabilisator integriert
  8. 70 … 200: Aktuell eingestellte Brennweite
  9. A/M: Autofokus mit Priorität auf Manuellem Fokus
  10. M/A: verzögerungsfreier Wechsel von Manuell zu Autofokus
  11. M: Manueller Fokus
  12. ft/m: Fokusdistanz in Fuß bzw. Meter

 

Das Bajonett – Verbindung von Objektiv und Kamera

Objektiv - Bajonett

Objektiv – Bajonett [Quelle: Von Smial – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons.(Originaltext: eigenes Foto), CC BY-SA 2.0 de]

Gerade beim Kauf von Objektiven von Drittherstellern müsst ihr auch unbedingt auf das Bajonett, also die Verbindung zwischen Kamera und Objektiv, achten, das am Objektiv verbaut ist. Das ist nämlich von Hersteller zu Hersteller (und teilweise auch von Kameraserie zu Kameraserie) unterschiedlich. Aber was genau ist das eigentlich? Wie bereits erwähnt, ist das Bajonett die Verbindung zwischen Kamera und Objektiv. Hier wird zum Einen bei motorlosen Objektiven die Welle für den Fokus übertragen, und zum Anderen sind hier einige Kontakte zu finden, die unter anderem den Autofokus versorgen. Um diese Kontakte zu schonen, solltet ihr beim Objektivwechsel unbedingt darauf achten die Kamera auszuschalten und das Objektiv beim Aufsetzen so zu halten, dass die beiden Markierungen auf Kamera und Objektiv übereinstimmen. So kann das Objektiv direkt eingerastet werden und es geht nichts kaputt. Untenstehende Tabelle gibt euch einen kleinen Überblick über die wichtigsten Bajonett-Typen und zugehörige Hersteller.

 

Gängige Bjonett-Arten
Nikon Nikon F
Canon EF / EF-S
Sony Minolta-A / E-Mount
Olympus / Panasonic Micro Four-Thirds (MFT)

 

 

Wichtige Bauarten der Objektive

Auch in der Bauart unterscheiden sich die Objektive teils sehr stark. Dabei kommt es auch hier wieder darauf an, für welchen Zweck ihr ein passendes Objektiv benötigt.

 

Tilt-und-Shift-Objektive

So habt ihr mit dem sogenannten Tilt-und-Shift-Objektiv die Möglichkeit bei fester Kameraposition den Bildausschnitt zu verschieben und den Schärfebereich zu schwenken. So dient diese Objektiv-Bauart zum Einen, wie in dem Beispielvideo zu sehen, der Panoramafotografie. Besonders, wenn ihr nicht die Möglichkeit habt oder es vermeiden wollt die Kamera zu bewegen. Aber auch der aktuell sehr bekannt gewordene sogenannte Panorama-Effekt ist damit sehr leicht umzusetzen. gekennzeichnet wird dieser Effekt durch die starke Unschärfe im Randbereich, wodurch die Bilder wie Makro-Aufnahmen wirken.

Tilt-Shift-Objektiv

Tilt-Shift-Objektiv [Quelle: Nikon]

 

 

 

 

 

 

 

 

Makro-Objektive

Wo wir gerade beim Thema Makro-Fotografie sind: Auch hier gibt es natürlich die Makro-Objektive. Diese besitzen eine sehr kleine Naheinstellgrenze, also der maximalen Nähe, mit der ihr euch mit dem Objektiv an euer zu fokussierendes Objekt annähern könnt. Somit eignet sich ein solches Objektiv besonders gut, um sehr kleine Objekte sehr nah fotografieren zu können.

 

Objektive mit Bildstabilisator

Damit ihr bei einem großen Zoomfaktor nicht jedes Bild verwackelt, gibt es noch Objektive mit Bildstabilisator, wie ihr ihn vermutlich von euren Smartphones kennt. Sie gleichen kleinere Bewegungen, wie sie in der Regel selbst bei den besten Fotografen vorkommen, aus und verhindern, dass eure Fotos bei entsprechend langer Belichtungszeit verwackeln. Natürlich funktioniert auch dies nur in einem gewissen Maß. Diese sind in der Regel, wie am obigen Beispiel gut zu sehen (VR), speziell gekennzeichnet.

 

Spiegellinsen-Objektiv

Sollten unter euch auch Hobby-Astronomen sein, dürfte diesen auch das Spiegellinsen-Objektiv bekannt sein. Hierbei handelt es sich um ein Objektiv ohne direkte Linse an der Front. Vielmehr wird das Bild über mehrere Spiegel zum Sensor übertragen. Erkennen könnt ihr diese Art ganz leicht am blinden Punkt in der Mitte der Linse. Eigentlich handelt es sich hierbei um ein Tele-Objektiv mit fester Brennweite, wobei ein Verändern der Blende keinen Einfluss auf den Schärfebereich hat. Besonders markant bei diesen Bildern sind die donutförmigen Kreise im Bokeh des Bildes.

 

Festbrennweite

Zum Schluss kommen wir noch einmal zu einer sehr wichtigen Bauart, die auch in der Praxis sehr häufig Anwendung findet: Die Festbrennweite. Hierbei handelt es sich um ein Objektiv mit, wie der Name eben schon sagt, fester Brennweite. In anderen Worten: Ihr könnt nicht zoomen. Dadurch wird das Objektiv besonders lichtstark, was in einer sehr geringen Tiefenschärfe resultiert. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die besonders hohe Randschärfe dieser Objektive, wodurch die Fotos sehr hochwertig wirken.

 

 

Das menschliche Auge als Objektiv

Bevor ich euch nun die einzelnen Objektive erläutere, möchte ich ein besonders nahe liegendes Vergleichsobjekt vorstellen, das ihr alle kennt und dessen Eigenschaften ihr alle sofort nachvollziehen könnt: Das menschliche Auge.

Hierbei könnt ihr euch die Pupille als Blende, die den Lichteinfall regelt und die Linse als Selbige beim Objektiv, die für den Bildwinkel und Brennweite zuständig ist, vorstellen.

Mit euren Augen könnt ihr zusammengerechnet in etwa einen Bildwinkel von 170° abdecken und das bei einer Brennweite von ca. 17 mm. Außerdem deckt eure Pupille die Blendenzahlen von f5.6 bis f8 ab.

Da jeder hier einigermaßen mit dem menschlichen Sehen im praktischen Sinne vertraut sein sollte, hoffe ich, dass ihr euch nun unter den folgenden Zahlen auch grob etwas vorstellen könnt.

 

 

Normales Objektiv

50mm Objektiv

50mm Objektiv [Quelle: Nikon]

Das standard Objektiv eines jeden Fotografen. Dies erhaltet ihr meist mit dem Kauf eurer Kamera. Es ähnelt mit einem Bildwinkel von ca. 40° bis 50° dem Sehen eines einzelnen menschlichen Auges. Hierbei beziehe ich mich natürlich nur auf den Bereich des scharfen Sehens, nicht auf das periphere Sehen, denn das wäre auf einem Bild schließlich auch nicht erkennbar. Bei der Brennweite bewegt sich das Objektiv in der Regel im Bereich um 50mm. Damit kann man viele Bereiche abdecken und es entsteht eine geringe Objektivkrümmung.

 

 

Teleobjektiv

Teleobjektiv

Teleobjektiv [Quelle: Nikon]

Das Teleobjektiv wird in der Regel häufig für Sport- und Naturfotografie eingesetzt, da es eine besonders große Brennweite von durchschnittlich zwischen 135mm und 200mm, bei einem sehr kleinen Bildwinkel von 12° bis 18° besitzt. Dadurch muss man nicht besonders nah an das zu Fotografierende Objekt heran, was gerade bei wilden Tieren oder Sportplätzen ein großer Vorteil sein kann. Der geringe Bildwinkel ermöglicht zudem gleichzeitig ein gezielteres Wählen des Bildausschnitts in hektischen Situationen, wie zum Beispiel beim Fußball.

 

 

Weitwinkelobjektiv

Weitwinkel-Objektiv

Weitwinkel-Objektiv [Quelle: Nikon]

Das Weitwinkelobjektiv ist gerade für die Landschaftsfotografen unter uns ein echter Segen. Mit einem Bildwinkel von 60° bis 80° deckt man hier große Gebiete mit einer Aufnahme bei relativ geringer Verzerrung ab. Durch den großen Winkel besitzt dieses im Schnitt auch eine relativ kleine Brennweite von 28mm bis 35mm, wodurch der Bildausschnitt deutlich vergrößert wird und ihr zum Teil ganze Berglandschaften auf einem Foto abbilden könnt.

 

 

 

Fischaugenobjektiv

Fischaugen-Objektiv

Fischaugen-Objektiv [Quelle: Nikon]

Das Fischaugenobjektiv oder auch „Fisheye“ ist eine extremere Form des Weitwinkelobjektivs. Es hat im Schnitt einen Bildwinkel von sagenhaften 100° bis 180° auf einer Brennweite von durchschnittlich 16 mm. Dies resultiert in einer sehr starken Objektivkrümmung, die auch bei Landschaftsaufnahmen deutlich sichtbar ist. Aus diesem Grund wird dies meist nur für künstlerische Zwecke oder aktuell für die neu aufkommende 360°-Fotografie benutzt, bei der mehrere dieser Bilder digital zusammengesetzt werden. Sollte euch das Thema 360°-Fotografie genauer interessieren, lasst es uns in der Kommentaren wissen. Hierzu kann Lucas einiges erzählen, der dies praktisch betreibt.

 

 

Zoomobjektiv

Das Zoomobjektiv ist das Universal-Objektiv für Situationen, in denen ihr es vermeiden wollt, häufig das Objektiv wechseln zu müssen. Daher ist es sowohl mit den Brennweiten 24mm bis 85mm, als auch 70mm bis 300mm sehr beliebt. Hier unterscheiden wir zusätzlich noch die Ausführungen innenzoomend und außenzoomend. Dabei geht es schlichtweg nur darum, ob das Objektiv von außen sichtbar oder in einem Gehäuse mit fester Länge gezoomt wird. Der Bildwinkel variiert hier stark, da es die meisten der oben genannten Objektive als Zoom-Variante gibt.

Zoomobjektiv

Zoomobjektiv [Quelle: Nikon]

 

Gegenlichtblende

Gegenlichtblende

Gegenlichtblende [Quelle: Nikon]

Zuletzt möchte ich euch noch einen weit weniger komplexen Helfer vorstellen, der euch dennoch einen gewissen Vorteil verschaffen kann: Die Gegenlichtblende. Die meisten kennen den Vorteil der kleinen Plastikkappe auf dem Objektiv jedoch nicht und verwenden diese „einfach, weils cooler aussieht“ oder eben gar nicht.

Dabei kann sie das äußerst nervige Streulicht, das euer Bild bei starkem Gegenlicht milchig und kontrastarm wirken lässt, verhindern. Ich mein, wer kennt das nicht? Man will einen schönen Sonnenuntergang fotografieren und plötzlich funkt euch die doch eigentlich so schöne Sonne dazwischen. Kurz die Gegenlichtblende aufgesetzt und schon ist das Problem gelöst.

Auch bei Linsenreflexionen, also den meist annähernd runden, farbigen Kreisen im Bild, ist sie ein großartiger Helfer. Auch diese können mit ihrer Hilfe vermindert werden.

 

Fazit

So. Damit dürfte nun so ziemlich alles zu Objektiven gesagt sein. Wenn ihr euch jetzt im Laufe des Beitrags gefragt haben solltet: „Was ist denn Vollformat?“, dann schaut am Donnerstag und 18 Uhr wieder vorbei. Denn dann wird Lucas euch dies und vieles mehr zum Thema Kamera erklären. Bis dahin eine schöne Woche 🙂

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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