Blende, ISO, Belichtungszeit in Kombination

Abbildung 2-Blende, ISO, Belichtungszeit in Kombination

Ihr hört immer wieder von Blende, ISO und Belichtungszeit und wisst aber eigentlich überhaupt nicht, was das bedeuten soll? Dann seid ihr hier richtig. In diesem Beitrag erkläre ich euch alles rund um diese drei Themen, wie ihr die Einstellungen nutzt und was sie bei einem Foto bewirken. Gerade, wenn ihr euch Fotografen, oder zumindest Hobby-Fotografen, nennen wollt, solltet ihr in der Lage sein auch außerhalb des bequemen Automatikmodus zu fotografieren. Denn so bequem, wie er ist, so unbrauchbar ist er auch.

 

 

Wofür benötige ich die Blende?

Schema der Blenden-Einstellungen

Schema der Blenden-Einstellungen

Um verstehen zu können, was das Verstellen der Blende auf dem Foto bewirkt, solltet ihr zunächst einmal nachvollziehen können, wie sie funktioniert. Habt ihr das verstanden, erscheint der ganze Rest fast logisch.

Die Blende ist Teil des Objektivs und eigentlich nichts weiter, als ein Ring, eine Art Iris, der den Lichteinfall durch das Objektiv regelt. Die aktuelle Öffnung dieses Rings wird dabei durch die Blendenzahl beschrieben, die den Lichteinfall durch das Objektiv beschreibt.

Viele, ich muss gestehen, auch ich, sind dadurch jedoch zu Beginn erst einmal verwirrt. Warum ist die Blende geschlossener, je größer die Blendenzahl ist? Diese Verwirrung lässt sich jedoch schnell beseitigen, wenn wir uns einmal die genaue Angabe der Blendenzahl anschauen. Wie ihr auf Abbildung 1 sehr gut erkennen könnt, schreibt man die Blende in der Regel mit f/Blendenzahl oder 1:Blendenzahl (manchmal auch F Blendenzahl) aus. Die Mathematiker unter euch werden jetzt natürlich gleich sagen: „Das ist doch als Bruch geschrieben!“. Und genau das ist des Rätsels Lösung. Wenn ihr euch das immer vor Augen haltet, werdet ihr hier nie wieder durcheinander kommen. Für alle nicht-Mathematiker: Je größer der Nenner, also die Zahl unter dem Bruch, desto kleiner die Zahl und in unserem Fall, desto kleiner die Blendenöffnung.

 

Blendenöffnungen

Abbildung 1 – Blendenöffnungen

 

Blende in der Praxis

Aber was bringt uns das Einstellen der Blende eigentlich? Ganz einfach: Wie bereits oben erwähnt, regelt ihr hiermit den Lichteinfall auf den Sensor eurer DSLR. Somit könnt ihr die Kamera schonmal ein wenig an die gegebenen Lichtverhältnisse anpassen. Aber es gibt noch einen weit größeren Effekt, den das Einstellen der Blende bewirken kann und dieser nennt sich Tiefenschärfe. Dabei könnt ihr euch merken, je weiter die Blende geöffnet ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Die Auswirkungen der Einstellung könnt ihr dem unten stehenden Schaubild (Abbildung 4) in Reihe eins entnehmen. Somit erhaltet ihr bei einer Offenblende, also der bei eurem Objektiv größtmöglich geöffneten Blende, die geringste Tiefenschärfe.

Das ist besonders für Portraits sehr interessant, da hierdurch der Hintergrund extrem unscharf ist. Ihr solltet aber unbedingt darauf achten, dass ihr die Blende so einstellt, dass die Objekte, die ihr fotografieren möchtet, im Schärfebereich liegen. Es kann nämlich sehr schnell dazu kommen, dass dieser gerade bei sehr offenen Blenden zu gering ist, um das gesamte Objekt, beziehungsweise den relevanten Bereich, scharf darzustellen.

Umgekehrt kann eine sehr kleine Blendenöffnung natürlich eine hohe Tiefenschärfe bewirken. Allerdings führt eine kleine Blendenöffnung natürlich im Umkehrschluss auch wieder zu sehr geringem Lichteinfall.

Die untenstehende Tabelle verschafft euch einen groben Überblick über die Veränderung des Lichteinfalls, bei entsprechender Veränderung der Blende. Keine Angst, diese Tabelle müsst ihr nicht auswendig lernen, aber ich denke sie veranschaulicht noch einmal ganz gut die Auswirkungen der Blende.

 

Blende f/1.4 f/2 f/2.8 f/4 f/5.6 f/8 f/11 f/16
Einfallendes Licht 1 1/2 1/4 1/8 1/16 1/32 1/64 1/128

 

Vermutlich stellt ihr euch jetzt die Frage: Und wo setze ich welche Blende ein? Diese Frage lässt sich leider nicht so einfach beantworten, wie man vielleicht zunächst glauben mag. Hierfür gibt es nur die Faustregeln:

  • Blende 8 bei Nacht“ – Bei Nachtfotografien mindestens Blende 8 verwenden
  • Bei der Portrait-Fotografie Blende 4 oder niedriger verwenden, um einen unscharfen Hintergrund zu bewirken
  • Wenn ihr das Motiv freistellen möchtet, eine möglichst kleine Blende verwenden. Denn so setzt sich das Motiv vom Hintergrund besser ab.

 

Blende, ISO, Belichtungszeit in Kombination

Abbildung 2-Blende, ISO, Belichtungszeit in Kombination

 

 

Was macht die Belichtungszeit?

Schema der Belichtungszeit-Einstellungen

Schema der Belichtungszeit-Einstellungen

Die Belichtungszeit ist deutlich einfacher erklärt und zu verstehen. Denn dabei handelt es sich, wie der Name eben schon vermuten lässt, um die Zeit, in der Licht auf den Sensor eurer Kamera fällt. Dies geschieht bei Spiegelreflex-Kameras, indem der Spiegel nach oben geklappt und der Verschluss (Shutter) geöffnet wird.

Und was bewirkt das? Auch das ist einfach erklärt: Je länger die Belichtungszeit ist, desto heller wird das Bild. Verdoppelt ihr also die Belichtungszeit, so wird euer Bild auch in etwa doppelt so hell.

Hierbei gibt es jedoch, wie soll es auch anders sein, auch wieder einen Haken. Wählt ihr eine zu lange Belichtungszeit, verschwimmen schnelle Bewegungen. Wollt ihr also beispielsweise, wie in Abbildung 4, ein schnelles Tier oder Sportler fotografieren, benötigt ihr eine besonders kurze Belichtungszeit, um ein scharfes Bild vom Motiv zu erhalten. Dabei gilt: je kürzer die Belichtungszeit, desto schnellere Bewegungen sind möglich, aber desto dunkler wird auch das Bild. Genauso verhält es sich mit der Fotografie aus der Hand. Wenn ihr ohne Stativ fotografieren wollt, solltet ihr nicht über eine Belichtungszeit von 1/30s gehen. Denn sonst wird euer Bild nicht mehr scharf sein. Natürlich hängt das davon ab, wie ruhig oder eben nicht ruhig ihr die Kamera halten könnt. Aber in der Regel kommt 1/30s recht gut hin.

Ein besonders schönes Einsatzgebiet der Belichtungszeit ist die sogenannte Langzeitbelichtung. Damit könnt ihr in dunklen Situationen, wie beispielsweise nachts, ein sehr helles Bild mit tollen Lichtern erzeugen. Der Effekt der Belichtung wird hier sehr schön deutlich. Wie im unten stehenden Bild zu sehen, könnt ihr hierbei besonders helle Lichter im Bild bewegen und so mit diesen „malen“. So wird aus dem Herumwirbeln eines funkenden Gegenstands ein leuchtender Kreis und viele kleine Bögen, die von diesem ausgehen.

 

Langzeitbelichtung

Langzeitbelichtung

 

 

Was ist ISO?

Schema der ISO-Einstellungen

Schema der ISO-Einstellungen

ISO ist wohl am Schwersten von alledem zu verstehen. Hierbei handelt es sich um ein digitales Aufhellen des Bildes. Dabei wird der Sensor eurer Kamera schlichtweg lichtempfindlicher gemacht. Es gilt: Je höher die ISO-Zahl, desto heller wird euer Bild. Verdoppelt ihr also den ISO-Wert, so verdoppelt ihr die Lichtempfindlichkeit eures b und somit wird euer Bild auch doppelt so hell.

Aber mit mehr Helligkeit kommt auch mehr Rauschen ins Bild. Deshalb ist diese Funktion mit Vorsicht zu genießen. Wie heftig dieses Rauschen werden kann, seht ihr in Abbildung 3. Aus diesem Grund solltet ihr versuchen den ISO-Wert immer so hoch, wie nötig und so gering, wie möglich zu halten. Je nach Modell fällt dieses Rauschen mal mehr, mal weniger stark aus. Deshalb solltet ihr die Grenze des Ertragbaren mit eurer Kamera am Besten selbst ausprobieren.

Den ISO-Wert zu erhöhen, bietet sich gerade in Situationen an, in denen ihr in relativ dunklen Bereichen schnelle Bewegungen mit viel Tiefenschärfe fotografieren möchtet. Dabei müsst ihr aber darauf achten, dass ihr es mit dem ISO nicht übertreibt. Denn sonst ist euer fertiges Bild extrem verrauscht und somit quasi unbrauchbar.

 

ISO-Vergleich

Abbildung 3-ISO-Vergleich

 

 

Die Symbiose aus Blende, ISO und Belichtungszeit

Da ihr nun die Funktionsweisen der einzelnen Einstellmöglichkeiten kennt, kommen wir jetzt zum Praktischen Einsatz. Denn diese Funktionen werden nie einzeln benutzt. Das ist technisch auch gar nicht möglich. Ihr müsst beim Fotografieren immer die für euer Motiv und eure Intention perfekte Symbiose dieser drei mächtigen Funktionen finden, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Denn generell kann man jede Situation, jedes Motiv, jedes Phänomen mit den richtigen Einstellungen abbilden. Und diese gilt es zu finden.

Abbildung 4 soll euch beim Finden dieser Einstellung ein wenig helfen. Bevor ich euch jedoch jetzt wieder mit theoretischen Einstellungen langweile, die am Ende ohnehin niemand versteht, hier ein paar kurze Beispiele:

 

Beispiel 1 – Der Hase

Stellt euch vor, ihr seid in der Wildnis unterwegs und seht vor euch einen Hasen durchs Gras rennen. Ihr möchtet besonders nah an den Hasen heran und diesen optisch stark vom Hintergrund abheben. Der Hase rennt jedoch sehr schnell.

Da ihr eine geringe Tiefenschärfe benötigt, um den Hasen vom Hintergrund abzusetzen, müsst ihr nun also eine offene Blende -Wir erinnern uns: kleine Blendenzahl = offene Blende– wählen.

Durch die offene Blende fällt viel Licht auf den Sensor. Da der Hase jedoch sehr schnell ist, müsst ihr gleichzeitig eine sehr kurze Belichtungszeit wählen, damit dieser nicht unscharf wird.

Da es bereits nachmittag geworden ist, und somit die Sonne bereits an Leuchtkraft verloren hat, müsst ihr jetzt nur noch den ISO um wenige Schritte, beispielsweise auf ISO400 erhöhen, um das Motiv nicht durch die kurze Belichtungszeit zu dunkel werden zu lassen.

Somit wären die, für diese Situation, optimalen Einstellungen gefunden und ihr könnt losfotografieren.

 

Beispiel 2 – Die Kirche

Stellt euch nun vor, ihr seid am späten Abend unterwegs und kommt an einer unbeleuchteten Kirche vorbei, die ihr unbedingt fotografieren möchtet.

Da ihr die Kirche komplett scharf abbilden wollt, müsst ihr jetzt eine besonders geschlossene Blende, also eine hohe Blendenzahl, wählen.

Dadurch wird euer Motiv jedoch noch dunkler, als es ohnehin schon ist. Deshalb entscheidet ihr euch für eine lange Belichtungszeit. Im Vordergrund der Kirche befinden sich jedoch Bäume, deren Blätter im Wind wehen. Durch die Bewegung erscheinen diese auf eurem Bild unscharf, also verkürzt ihr die Belichtungszeit um einiges, wodurch das Bild wieder zu dunkel ist.

Hier kommt nun der ISO ins Spiel. Da es noch nicht komplett dunkel geworden ist, erhöht ihr diesen nur um ein paar Schritte und erhaltet ein gut belichtetes Bild, auf dem sogar die Blätter der Bäume scharf sind.

 

Schaubild Blende, ISO, Belichtungszeit

Abbildung 4-Schaubild Blende, ISO, Belichtungszeit

Damit ihr diese Grafik besser nachvollziehen könnt, hier eine kleine Tabelle mit den wichtigsten Regeln dazu:

 

Zustand Bedingung
Blende auf kurze Belichtungszeit, niedriger ISO
Blende zu lange Belichtungszeit oder hoher ISO
ISO hoch kurze Belichtungszeit oder große Blende
ISO niedrig lange Belichtungszeit oder Blende auf
lange Belichtungszeit Blende zu oder kleiner ISO
kurze Belichtungszeit Blende auf oder großer ISO

 

Fazit

Ich weiß, diese Einstellungen sind anfangs schwer zu meistern. Ihr solltet jedoch am Ball bleiben und sie immer wieder einsetzen und damit experimentieren. So könnt ihr eure Kamera viel gezielter einsetzen und deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Denn der doch so bequeme Automatikmodus weiß eben nicht, was ihr denkt und abbilden wollt.

Nehmt euch beim Fotografieren immer die Zeit und wählt verschiedene Einstellungen und vor allem: Passt immer alle Werte an!

Auch wenn das anfangs etwas frustrieren kann, werdet ihr das bald besser beherrschen, als der Automatikmodus und mindestens genauso schnell einstellen können.

In diesem Beitrag waren wieder viele Begriffe, die euch nichts sagen? Dann schaut am Donnerstag wieder vorbei, wenn euch Lucas einen Überblick über die wichtigsten Begriffe in der Fotografie gibt. Bis dahin eine schöne Woche 🙂

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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