Langzeitbelichtung SkylineManchmal reicht es nicht aus, einfache Fotos aus der Hand aufzunehmen. Man benötigt spezielle Techniken und Zubehör für die eigene Kamera und auch ein bisschen Fingerspitzengefühl. Langzeitbelichtungen sind schöne und abwechslungsreiche Aufnahmen, da man mit diesen viel spielen kann. Hat man es dann verstanden, macht es aber richtig Spaß. Heute soll es, wie bereits oben angekündigt, um Langzeitbelichtungen gehen. Mehr dazu im nachfolgenden Blogbeitrag.

 

 

Was ist eine Langzeitbelichtung?

Von einer Langzeitbelichtung ist in der Fotografie die Rede, wenn man den Film oder den Sensor mehrere Sekunden belichtet, sprich das Licht darauf fallen lässt. Das ist notwendig, um bei schlechten Lichtverhältnissen, trotzdem eine optimale Belichtung der Fotografie zu erzielen. Langzeitbelichtungen lassen sich aber als gestalterisches Merkmal von Fotografien verwenden, so kann der Fotograf bei einer längeren Belichtungszeit z.B. fließendes Wasser abbilden oder sich bewegende Objekte unsichtbar erscheinen lassen. Dies kann an stark belebten Orten helfen oder Dynamik in das Bild bringen.

 

 

Wie funktionieren Langzeitbelichtungen?

Wie der Name bereits verrät, geht es hier um eine Aufnahme mit langer Belichtungszeit. Setzt man Langzeitbelichtungen in schlechten Lichtverhältnissen ein, so kann hier der ISO-Wert gering gehalten werden. Gleiches gilt für die Blendenzahl, da viele gerne offenblendig fotografieren.

Beispielsweise lassen sich Aufnahmen mit mehreren Sekunden oder auch Minuten bei ISO 100 und Blende 2.8 machen. Dies ist gerade bei Nacht ansonsten nicht möglich.

Durch die längere Belichtungszeit muss bei Aufnahmen am Tag die Blende entsprechend eingestellt werden, so dass das Foto nicht überbelichtet wird. Dies kann durch eine hohe Blendenzahl oder einen sogenannten Graufilter erreicht werden. Graufilter gibt es in diversen Stufen, sodass ein solcher Filter vor dem Objektiv mehrere Blendenstufen abdunkeln kann. Dies erlaubt, bei gleicher Belichtung offenblendiger zu fotografieren.

Bei Langzeitbelichtungen ist es wichtig, ein ordentliches Stativ und bestenfalls einen Funkfernauslöser einzusetzen. Wer möchte, kann und sollte noch die Spiegelvorauslösung einschalten, um Verwackelungen zu vermeiden. Bei Langzeitbelichtungen ist ein fester, wackelfreier Stand der Kamera essentiell wichtig.

Wem Texte zu theoretisch sind, hier ein kleines Video, welches anschaulich die Verwendung und die Umsetzung von Langzeitbelichtungen zeigt.

 

 

 

Was man mit Langzeitbelichtungen noch anstellen kann

Lichtmalerei

Lichtmalerei in Eschwege

Lichtmalerei in Eschwege

 

Langzeitbelichtung Stahlwolle - Foto: Kevin

Langzeitbelichtung Stahlwolle – Foto: Kevin

 

Langzeitbelichtungen lassen sich herrlich gut für schöne Effekte und Lichtmalereien einsetzen. Hier geben wir zwei Beispiele: das obere Bild wurde mit einer Taschenlampe „gemalt“, das untere mit Stahlwolle in einem Rührbesen aus der Küche.

Beide Bilder sind jeweils mit einer Person vor der Kamera aufgenommen. Durch stetiges Bewegen, sind diese allerdings weitestgehend unsichtbar. Beide Bilder haben eine Belichtungszeit von 30 Sekunden. Diese Dauer ist bei vielen – gerade günstigen – Kameras das Maximum. Deshalb: solche Fotos kann jeder mit seiner Kamera nachmachen, der sich an den manuellen Modus herantraut.

 

Menschen verschwinden lassen

London Bridge - Foto: Lucas

London Bridge – Foto: Lucas

Die London Bridge ist wohl eine der am stärksten frequentierten Brücken in London. Da mir dieser Bildausschnitt gut gefiel, es dazu dunkel war und ich die schönen Busse Linien ziehen lassen wollte, entschied ich mich hier für eine Langzeitbelichtung mit 30 Sekunden.

Je nachdem, wie schnell Personen oder Fahrzeuge durch das Bild laufen bzw. fahren oder länger verweilen, sieht man diese Objekte dann auf dem fertigen Foto oder eben auch nicht. Die Brücke war zu dieser Zeit sehr voll, dennoch sieht man nur wenige Schatten im Vordergrund. Der rote Bus im Hintergrund stand längere Zeit still, deshalb ist dieser sehr gut zu erkennen. Auch Menschen in der rechten Bildhälfte standen teilweise lange an der selben Stelle. Generell ist zu beachten: je schneller etwas wieder aus dem Bild verschwindet, desto unsichtbarer.

 

Fahrzeugspuren sichtbar machen

London Bridge - Foto: Lucas

London Bridge – Foto: Lucas

Auch hier wurde das Foto wieder auf der London Bridge aufgenommen. Der Fokus lag hier aber mehr auf den Lichtern der Fahrzeuge. Diesmal 20 Sekunden Belichtungszeit bei schnell vorbeifahrenden Fahrzeugen. Diese sind unsichtbar, die hellen Lichter zeichnen sich aber schneller ab und sind deshalb als Linien sichtbar.

Genau wie beim Bild vorher bringt dies eine spannende Dynamik in das Bild. Ein solches Licht-Bild ist natürlich am Tag nicht oder nur mit einem starken Graufilter möglich.

 

Feuerwerk aufnehmen

Kölner Lichter 2017 - Foto: Lucas

Kölner Lichter 2017 – Foto: Lucas

Eure Fotos von Feuerwerken sind nicht so spektakulär wie dieses? Oftmals habt ihr das Problem, dass nur eine oder sehr wenige Raketen auf eurem Bild zu sehen sind. Hier schaffen Langzeitbelichtungen Abhilfe: ist die Umgebung dunkel genug (falls nicht, Filter einsetzen!), könnt ihr Feuerwerk mit 20-30 Sekunden Belichtungszeit aufnehmen und ermöglicht damit dem Feuerwerker und der Kamera, mehrere zeitlich versetzte Raketen auf einem gemeinsamen Bild abzulichten.

 

Wasser weichzeichnen

Brücke in London über die Themse - Foto: Lucas

Brücke in London über die Themse – Foto: Lucas

Ein weiterer Einsatzzweck für Langzeitbelichtungen ist es, neben Lichtern heller und dunkle Stellen bei schlechten Lichtverhältnissen deutlicher darszustellen, Wasser weichzuzeichnen. Wasser wirkt hier schnell wie Milch. Auch hier habt ihr natürlich wieder den Vorteil von geringen ISO-Werten und offenen Blenden, sofern gewünscht oder notwendig.

Weichgezeichnetes Wasser – komplett ohne Photoshop – ist definitiv auf vielen Bildern ein Hingucker!

 

Fazit

Unser heutiges Fazit zu Langzeitbelichtungen: ein unterschätztes Mittel in der Fotografie, dennoch wahnsinnig flexibel und vielseitig einsetzbar. Wer etwas Neues ausprobieren möchte ist hier auf dem richtigen Weg. Es gibt über unsere Beispiele hinaus noch weitere Einsatzgebiete, so zum Beispiel Startrails. Diese erklären wir euch in einem neuen Beitrag.

Am Dienstag geht es dann wie gewohnt weiter mit einem neuen Thema zur Fotografie, diesmal wieder mit Kevin 🙂 Bis dahin!

Autor: Lucas

Mein Name ist Lucas Mehler, bin 22 Jahre alt und studiere ebenfalls Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

Fotospot Dom zu Fulda
Gegenlicht belebt die Fotografie!
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