Abbildung 1 - Gegenlicht mit Grauverlaufsfilter

Gegenlicht mit Grauverlaufsfilter

Als Fotograf kennt wohl jeder die Regel, dass man niemals ins Gegenlicht fotografieren soll. Doch das stimmt so nicht ganz. Denn wenn man es richtig anstellt, und einige Regeln beachtet, kann es das Foto durchaus deutlich belebter wirken lassen.

 

 

 

Bevor ich euch nun zeige, wie ihr das Fotografieren bei Gegenlicht richtig anstellt, beachtet bitte diesen Hinweis:

Die Regel „Niemals ins Gegenlicht fotografieren“ ist nicht aus der Luft gegriffen. Sie hat einen ganz bestimmten Hintergrund. Denn wenn ihr eure Kamera direkt ins Gegenlicht haltet, könnt ihr sowohl euren Augen, wenn ihr durch den Sucher schaut, als auch dem Objektiv sehr leicht starken Schaden zufügen. Also achtet bitte immer darauf, dass ihr euch immer maximal leicht schräg zum Gegenlicht positioniert.

 

Abbildung 1 - Gegenlicht mit Grauverlaufsfilter

Abbildung 1 – Gegenlicht mit Grauverlaufsfilter

 

Wann kann ich das Gegenlicht nutzen?

Mit dem Gegenlicht könnt ihr eure Motive schnell aufwerten. Besonders, wenn ihr die sogenannte Goldene Stunde, also die Stunde nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang, nutzt, können sie sehr atmosphärisch wirken. Dabei färbt die auf- beziehungsweise untergehende Sonne das Bild goldgelb ein.

Doch es muss nicht unbedingt die Sonne sein, die euer Gegenlicht bildet. Natürlich darf es sich hierbei auch um Laternen oder Scheinwerfer handeln. Diese können gerade nachts eine sehr gruselige Stimmung bewirken.

 

Welchen Effekt hat das Gegenlicht?

Silhouetten hervorheben

Je nach Situation und Einstellung eurer Kamera, könnt ihr mit Hilfe des Gegenlichts beispielsweise einen sehr starken Kontrast bewirken, wodurch sich auf eurem Foto der Vordergrund nur noch als dunkle Silhouette abzeichnet. Ein Beispiel hierfür seht ihr in Abbildung 2. Mit diesem Effekt könnt ihr nicht nur mystische, sondern auch unwirkliche Fotos schießen, indem ihr beispielsweise eine Person vor den Sonnenuntergang stellt und die Helligkeit komplett auf den Hintergrund anpasst.

Belichtet ihr ausgewogen, könnt ihr den Effekt auch nutzen, um Objekte, wie zum Beispiel Blumen oder Blätter, zum glühen zu bringen. Diesen Effekt könnt ihr euch in Abbildung 3 in der Praxis ansehen. Befinden sich die Objekte direkt vor der Lichtquelle, ergibt sich nämlich eine leuchtende Silhouette um es herum, wobei das Objekt selbst durch die ausgewogene Belichtung noch erkennbar ist. Auch teilweise Transparenz kann hiermit betont werden. Dadurch scheint das Licht zum Teil durch das Objekt und es hebt sich deutlich von nicht-transparenten Objekten ab. Es beginnt zu leuchten.

 

Abbildung 2 - Silhouette im Gegenlicht

Abbildung 2 – Silhouette im Gegenlicht

 

Nebel und Rauch

Durch fotografieren ins Gegenlicht erhaltet ihr gerade bei Landschaftsfotografien eine mystische Wirkung. Diese resultiert hauptsächlich aus dem dabei entstehenden verminderten Kontrast und oft auch dem Dunst besonders in der Ferne.

Abbildung 1 - Gegenlicht mit Grauverlaufsfilter

Gegenlicht mit Grauverlaufsfilter

Und auch diesen Effekt könnt ihr zu eurem Vorteil nutzen, denn besonders bei Landschaften wird durch den Dunst die Weitenwirkung deutlich verstärkt. Wie in Abbildung 1 gut zu erkennen, verliert sich hierbei der Horizont im Dunst, wodurch die Landschaft schier unbegrenzt weit wirkt. Beachtet hierbei jedoch, dass der Vordergrund scharf sein sollte, denn sonst gebt ihr dem Betrachter keinen Ankerpunkt im Bild und dieser fühlt sich verloren oder hat das Gefühl ein gänzlich unscharfes Bild zu betrachten.

Des Weiteren könnt ihr besonders düstere Situationen, wie beispielsweise in einer dunklen Gasse, verstärken, indem ihr Rauch vor dem Gegenlicht platziert. Diese Methode wird vor allem in der Filmindustrie häufig eingesetzt. Ihr kennt sie sicherlich aus Filmen, wie Der Pate. Sie funktioniert jedoch genauso gut in der Fotografie.

 

 

Schwierigkeiten bei Gegenlicht Aufnahmen

Die richtige Belichtung

Gerade durch das extrem helle Gegenlicht liegt in diesem Fall die größte Schwierigkeit darin, das richtige Maß an Belichtung zu finden. Wie genau dies aussieht, hängt sehr stark vom angestrebten Look ab. Möchtet ihr, dass sich der Hintergrund stark vom Vordergrund absetzt, müsst ihr eine möglichst geschlossene Blende und eine kurze Belichtungszeit wählen. Dies wäre noch die einfache Variante.

Strebt ihr jedoch ein in allen Ebenen gut erkennbares Foto an, lässt sich nicht so einfach eine grobe Richtung der Einstellungen angeben. Wichtig ist, ihr solltet beachten, dass es nicht möglich sein wird, Vorder- und Hintergrund gut ausgeleuchtet darzustellen. Vielmehr müsst ihr einen Kompromiss finden, bei dem Vorder- und Hintergrund etwa gleich hell sind. Um dies zu erreichen, spielt ihr am Besten etwas mit den Einstellungen herum. Je nach Lichtsituation kann mal das eine, im nächsten Fall wieder das andere mehr Sinn machen.

 

Abbildung 3 - Im Gegenlicht Gluehende Kontur

Abbildung 3 – Im Gegenlicht Gluehende Kontur

 

Euer wichtigstes Hilfsmittel beim Finden der richtigen Einstellung ist in diesem Fall das Histogramm, das eure Kamera anzeigt. Ein Histogramm ist ein Diagramm, das euch angibt, wie stark eine Farbe in eurem Bild vorkommt. In der Regel verläuft diese Kurve von Schwarz nach Weiß. Oft gibt es auch eine extra Kurve für Rot, Grün und Blau. Ist die Kurve im Histogramm gleichmäßig verteilt und berührt gleichzeitig weder den linken, noch den rechten Rand, ist euer Foto ausgeglichen belichtet.

Bekommt ihr mit keiner Einstellung ein zufriedenstellend helles Foto, bleiben euch noch zwei Möglichkeiten. Entweder ihr schießt eine Belichtungsreihe, also ein sogenanntes HDR, oder ihr nutzt einen Grauverlaufsfilter, mit dem ihr den Himmel etwas abdunkelt.

 

Gegenlicht ohne Blendenflecken

Gegenlicht ohne Blendenflecken

 

Schöne Farben erhalten

Ein starker Nebeneffekt beim Fotografieren mit Gegenlicht, ist der Verlust von Kontrast durch Dunst. Dieser ist besonders stark sichtbar, wenn ihr euer Foto ausgewogen belichtet. Diesem könnt ihr entgegenwirken, indem ihr etwas schräger zur Sonne steht und einen sogenannten Polarisationsfilter benutzt. Dieser reduziert den Dunst etwas und sorgt gleichzeitig für kräftigere Farben in eurem Foto.

 

Blendenflecke vermeiden

Jeder von euch wird sie schon einmal gesehen haben: Blendenflecke. Mal sind sie rund, mal eckiger, je nach Form der Blende. Diese farbigen Flecken sehen auf eurem Foto in der Regel nicht schön aus und führen oft auch zu geringerer Schärfe. Um diese zu vermeiden, solltet ihr auf jeden Fall die Gegenlichtblende eures Objektivs nutzen. Wichtig ist, dass diese an das Objektiv angepasst ist, da sie sonst nicht optimal wirken oder sogar im Bild stören kann. Die Gegenlichtblende verhindert den Streulichteinfall in euer Objektiv und verringert somit auch Blendenflecke. Ganz vermeiden könnt ihr diese jedoch nur durch wählen eines anderen Winkels zur Lichtquelle.

 

Gegenlicht mit Blendenflecken

Gegenlicht mit Blendenflecken

 

 

Fazit

Ihr seht also, wenn ihr es richtig einsetzt, müsst ihr das Gegenlicht keineswegs vermeiden. Der Umgang damit muss allerdings geübt werden und erfordert Kreativität. Mit diesen Tipps könnt ihr aber schon einiges anstellen und auch hier gilt natürlich wieder: Ausprobieren und herumexperimentieren, um erfolgreich zu sein.

Kommt auch am Donnerstag wieder, wenn euch Lucas erklärt, was unter anderem die ganzen Filter bewirken, die ich in diesem Beitrag erwähnt habe. Bis dahin eine schöne Woche 🙂

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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