Fotografieren bei Nebel - Kreuze auf dem Berg

Fotografieren bei Nebel – Kreuze auf dem Berg

Nach unserer kurzen Pause geht es heute weiter mit dem Thema Fotografieren bei Nebel. Das ist ein sehr spannendes Thema, mit dem sich leider nicht sehr viele Fotografen befassen, da es schon Überwindung kostet bei dem nasskalten Wetter nach draußen zu gehen. Doch betrachtet man die Ergebnisse, kann man definitiv sagen, es lohnt sich!

 

 

Wo ist Fotografieren bei Nebel möglich?

Diese Frage kann man tatsächlich gar nicht so genau beantworten, denn schließlich kann an jedem Ort Nebel auftreten, er kann aber genauso gut ausbleiben. Was sich unterscheidet ist lediglich die Wahrscheinlichkeit, mit der ihr auf Nebel treffen könntet. Generell solltet ihr versuchen eine erhöhte Position einzunehmen, auf der ihr über dem Nebel seid. So erzielt ihr den besten Effekt und euer Foto wirkt nicht total weichgezeichnet.

 

Stadt im Nebel

Stadt im Nebel

 

 

An Gewässern

Am erfolgreichsten solltet ihr bei der Suche nach Nebel an Gewässern sein. Hier ist die Luftfeuchtigkeit besonders hoch. Und da Nebel nichts anderes ist, als sich abkühlende mit Wasserdampf gesättigte Luft, ist zumindest die Hälfte der Bedingungen in jedem Fall gegeben. Legt sich eine leichte Nebelschwade auf die Wasseroberfläche, erhaltet ihr hier eine sehr mystische Wirkung und euer Bild wirkt wie ein Ausschnitt aus einer alten Sage.

 

Bei Gebäuden

Unter bestimmten Umständen kann es auch zu Nebel um Gebäude herum kommen. Wie ihr euch sicher schon denken könnt, bieten sich dabei natürlich Friedhöfe oder Kirchen besonders gut für die gruselige Stimmung an. Gerade wenn die Spitzen der Gräber oder der obere Teil der Kirche aus dem dichten Nebel herausragt, erhaltet ihr sehr stimmungsvolle Fotos, die ihren Betrachtern beim bloßen Anblick den Atem nehmen. Doch leider kommt es hier nur relativ selten zu Nebel und die Kirche oder einen Friedhof sollte auch freistehend sein, da sonst die Chance darauf sehr gering ist. Freistehende Kirchen oder Friedhöfe sind jedoch leider heutzutage kaum noch zu finden.

 

Fotografieren bei Nebel - Schwarz-Weiße Brücke [Foto: altglasfoto]

Fotografieren bei Nebel – Schwarz-Weiße Brücke [Foto: altglasfoto]

 

Im Wald

Natürlich bieten sich auch Wälder an, deren Boden sehr feucht ist. Verdunstet die Nässe aus diesem, legt sich ein wunderbarer Nebel auf den Waldboden und erzeugt eine sehr mystische Wirkung. Je nach Tageszeit und Belichtung kann sich hier aber auch eine sehr beeindruckende und freundliche Wirkung ergeben. Diese wird beispielsweise durch eine aufgehende Sonne, die den Nebel goldgelb einfärbt, hervorgerufen.

 

Auf Bergen

Die bekanntesten Bilder, die beim Fotografieren bei Nebel entstanden sind, sind wohl neblige Berglandschaften. Sie sind sehr beliebt, da man den in der Tiefe zueinander versetzt liegenden Bergen durch den Nebel noch viel mehr Tiefe verleihen und das Foto wesentlich lebendiger wirken lassen kann. Die sehr hohe Position des Fotografen und der trotz des Nebels sehr weite Blick vermitteln dem Betrachter eine große Ehrfurcht. Daher muss man hier unbedingt darauf achten, dass der Nebel nicht zu dicht ist und am Besten nur zwischen den Bergen hängt.

 

Fotografieren bei Nebel - Gipfel im Nebel [Foto: altglasfoto]

Fotografieren bei Nebel – Gipfel im Nebel [Foto: altglasfoto]

 

An Pflanzen oder Spinnennetzen

Auch Pflanzen oder Spinnennetze lassen sich bei Nebel sehr schön fotografieren, da sich der dieser bei Temperaturen über 0°C an ihnen niederschlägt. Es kommt somit zur gerade in der Makro-Fotografie sehr beliebten Tröpfchenbildung. Diese macht die Pflanzen oder Spinnennetze lebendig und lässt sie im Sonnenschein funkeln.

 

 

 

Wann ist Fotografieren bei Nebel möglich?

Der zweite notwendige Faktor für das Entstehen von Nebel ist die sich abkühlende Luft. Daher bieten sich besonders in den Wintermonaten die Abendstunden, wenn die Sonne am Horizont verschwindet und sich die Luft langsam abkühlt, oder auch die Morgenstunden, wenn die Sonne am Horizont wieder aufgeht und die Luft über dem noch kalten Boden oder Wasser wieder aufheizt, an.

 

Morgens oder Abends

Gerade zu Sonnenauf- beziehungsweise -untergang erhaltet ihr einen oft erwünschten Nebeneffekt: Der Nebel färbt sich goldgelb. Zu dieser Zeit könnt ihr also besonders edel und freundlich wirkende Fotos im Nebel schießen.

Abends ist, meiner Erfahrung nach, die Wahrscheinlichkeit noch während des Sonnenuntergangs auf Nebel zu treffen geringer, da sich die Luft oft erst abkühlt, wenn die Sonne bereits verschwunden ist. Somit wird der Nebel erst sichtbar, wenn es fast komplett dunkel geworden ist.

Morgens hängt jedoch oft der Nebel von der Nacht noch über dem Boden und ihr müsst nur den richtigen Zeitraum zwischen dem Beginn des Sonnenaufgangs und dem Verschwinden des Nebels abpassen, um schöne Fotos schießen zu können.

 

Nach dem Regen

Im Sommer trifft man hauptsächlich nach Regen auf Nebel. Dieser entsteht dann auch in normalerweise nebellosen Gebieten. Hier ist die Wahrscheinlichkeit jedoch relativ gering, ihr solltet euch also nicht darauf verlassen und einen Plan B in der Hinterhand haben. Denn sonst könnte es passieren, dass ihr unverrichteter Dinge wieder abziehen müsst.

 

Sonnenuntergang vor hügeliger Landschaft

Sonnenuntergang vor hügeliger Landschaft im Nebel

 

 

Mit welcher Technik muss ich bei Nebel fotografieren?

Die Lichtverhältnisse sind bei Nebel bekanntlich sehr unterschiedlich und schwer einzuschätzen. Daher bietet es sich in jedem Fall an Belichtungsreihen durchzuführen und diese bei Bedarf später zusammenzusetzen. Nur so erhaltet ihr ein gut ausgeleuchtetes Foto, denn auf den Belichtungsmesser eurer Kamera könnt ihr euch bei Nebel leider nicht verlassen. Um eine Belichtungsreihe gut durchführen zu können, solltet ihr somit immer ein Stativ und einen Funkauslöser dabei haben.

 

Autofokus deaktivieren

Genauso wie auf den Belichtungsmesser, solltet ihr auch auf den Autofokus verzichten. Dieser spielt hier oft verrückt und wird euch nur wenige gute Ergebnisse liefern können. Also spart euch von Anfang an den Ärger und fokussiert direkt manuell.

 

Manueller Weißabgleich

Auch den Weißabgleich solltet ihr direkt zu Beginn so einstellen, dass er zu eurer Bildstimmung passt. Fotografiert ihr bei Sonnenauf- oder -untergang, stellt ihr etwas wärmer ein, möchtet ihr ein gruseliges Foto bei Nacht schießen, wählt einen kälteren. Achtet aber in jedem Fall darauf, dass ihr die Farben der Umgebung nicht zu sehr verzerrt. Das wirkt sehr unnatürlich und unprofessionell.

 

Objektiv

Natürlich habt ihr bei der Wahl des Objektivs keine Einschränkungen, jedoch bietet sich gerade für Landschaften oder Gebäuden ein kurzes Teleobjektiv an. Hiermit könnt ihr nämlich einen weiten Bereich einfangen und bekommt somit mehr Details auf euer Foto. Es wird also trotz des sehr weichen Hintergrunds noch spannend wirken.

Für das Fotografieren von Pflanzen oder Insekten im Nebel bietet sich wieder das Makro-Objektiv mit besonders geringer Naheinstellgrenze an. So könnt ihr nah an das Objekt heran und die vielen kleinen Wassertropfen werden deutlich sichtbar.

 

Fotografieren bei Nebel - Sonnenuntergang

Fotografieren bei Nebel – Sonnenuntergang

 

 

Blende, ISO, Belichtungszeit

Hier wird’s jetzt knifflig. Durch die schlechten Lichtverhältnisse müsst ihr nämlich relativ lang belichten. Am Besten tut ihr das auch mit Spiegelvorauslösung, um ein leichtes Wackeln der Kamera zu vermeiden. Belichtet ihr jedoch zu lang, verliert der Nebel schnell an Struktur und wirkt eintönig. Um dies zu vermeiden, solltet ihr eine möglichst offene Blende verwenden, denn so verringert sich eure Belichtungszeit, wie ihr ja bereits gelernt habt. Auch ein etwas höherer ISO ist möglich, da dessen Rauschen bei Nebel nicht so sehr auffällt, wie sonst. Auch hier solltet ihr es natürlich nicht übertreiben. Nehmt euch etwas Zeit und versucht die richtige Balance zwischen den drei Werten zu finden.

 

 

 

Die Nachbearbeitung

Die bei Nebel entstandenen Fotos sind das beste Beispiel für den sinnvollen Einsatz von Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Gerade wenn ihr eine gruselige oder mystische Stimmung bewirken wollt, bietet es sich an, wenn ihr das Foto einmal in Schwarz-Weiß betrachtet. Oft wird dadurch die Wirkung unterstrichen oder sogar noch verstärkt.

Passt das nicht, könnt ihr noch versuchen die Farbbalance in die eine oder andere Richtung zu verschieben. Ähnlich wie beim Weißabgleich könnt ihr euer Foto hier wärmer oder kälter wirken lassen, um eure Bildwirkung zu verstärken.

 

Fotografieren bei Nebel - Schwarz-Weiß

Fotografieren bei Nebel – Schwarz-Weiß

 

 

Fazit

Erfolgreiches Fotografieren bei Nebel erfordert viel Zeit und Geduld. Nicht jede Aufnahme gelingt und ihr werdet oft auch an Orte fahren, um Nebel zu fotografieren und dann feststellen müssen, dass überhaupt kein Nebel auftreten wird. Aber lasst euch davon nicht entmutigen und versucht es immer weiter. Denn irgendwann habt ihr ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Einstellungen entwickelt und dann gelingen euch die Aufnahmen.

Da die Lichtverhältnisse so schwierig sind, solltet ihr gerade am Anfang das selbe Motiv mit unterschiedlichen Einstellungen schießen, um später aussortieren und euch so an die perfekten Einstellungen herantasten zu können.

Ihr habt den Beitrag am Dienstag vermisst? Nein, das war leider kein Fehler. Ab sofort erscheint nur noch jeden Mittwoch ein Beitrag. Sonst ändert sich aber nichts 😉 Also freut euch auf den Beitrag von Lucas nächste Woche Mittwoch und vergesst nicht uns auf unserem neuen Vero-Account zu folgen!

 

Abschließend möchten wir uns noch herzlich bei altglasfoto bedanken, der uns freundlicherweise einige seiner Fotos zur Verfügung gestellt hat und bei dem ihr auch unbedingt einmal vorbeischauen solltet. Vielen Dank dafür!

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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