Fotos kolorieren

Fotos kolorieren

Viele haben sich sicher schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie aufwendig es wohl seine mag, alte Schwarz/Weiß Fotos zu kolorieren. Ich habe das schon ein paar mal gemacht und gebe zu, es ist relativ aufwendig. Doch allein wegen des Ergebnisses lohnt es sich. Denn wenn ihr es richtig anstellt, könnt ihr die alten, verwaschenen Fotos wieder in neuem Glanz erstrahlen lassen. Und wie genau ihr das anstellt, zeige ich euch in diesem Beitrag.

Fotos kolorieren - koloriertFotos kolorieren - Schwarz/Weiß

 

Vorbereitung

Bevor es an die Kolorierung in Photoshop geht, solltet ihr das Foto zunächst einscannen. Verwendet hier eine übermäßig hohe Pixeldichte (z.B. 1200 dpi) und eine hohe Auflösung. Denn nur so könnt ihr später alle Makel aus dem Foto entfernen. Besonders Staub und Kratzer lassen sich bei entsprechender Pixeldichte fast restlos entfernen.

Öffnet nun den Scan in Photoshop. Nein, auch jetzt geht es noch nicht mit dem Kolorieren los. Zuvor müssen wir noch einige wichtige Vorbereitungen treffen. Zuerst solltet ihr die Hintergrundebene des Fotos kopieren und anschließend den „Staub und Kratzer Filter“ öffnen. Ihr findet diesen unter Filter -> Rauschfilter -> Staub und Kratzer… Aktiviert die Vorschau und versucht die Einstellung zu finden, bei der die Kanten eures Motivs noch scharf und zugleich der Staub und einige der Kratzer verschwunden sind. Ihr werdet nicht alles auf diese Weise entfernen können, doch ein Großteil sollte verschwinden.

 

Abbildung 1: Fotos kolorieren - Staub und Kratzer Filter

Abbildung 1: Fotos kolorieren – Staub und Kratzer Filter

 

Ist das erledigt, müsst ihr noch die übrig gebliebenen Fehler mit dem Bereichsreparatur-Pinsel entfernen. Malt hierzu einfach über die entsprechenden Stellen und Photoshop erledigt den Rest. Achtet aber bitte darauf, dass der Modus auf inhaltsbasiert steht und ihr den Pinsel so klein eingestellt habt, dass wirklich nur der Fehler markiert wird. Ansonsten kann es schnell zu unschönen Bildfehlern kommen.

 

Abbildung 2: Fotos kolorieren - Bereichsreparatur-Pinsel

Abbildung 2: Fotos kolorieren – Bereichsreparatur-Pinsel

 

Ist das Foto nun in einem zufriedenstellenden Zustand, müsst ihr noch mit der Kombination Strg + U den Farbton/Sättigung-Dialog öffnen und dem Foto komplett die Sättigung nehmen, sodass es sich um ein Graustufenbild handelt. Das ist wichtig, da sonst die Farben verfälscht werden.

 

 

 

Farbschema zum Kolorieren wählen

Abbildung 3: Fotos kolorieren - Adobe Color CC

Abbildung 3: Fotos kolorieren – Adobe Color CC

Für die meisten Menschen ist es unglaublich schwierig einen passenden Farbton für Haut zu finden. Und zwar obwohl wir ihn täglich vor Augen haben. Um das ein wenig zu vereinfachen, nutze ich immer Adobe Color CC. Einem sehr nützlichen Tool von Adobe, das es euch erlaubt eigene Farbschemata zu erstellen, zu speichern und (sofern ihr die Adobe CC nutzt) diese auch sofort in Photoshop und Co nutzen zu können. Hier findet ihr im unteren Bereich, etwas versteckt, den Menüpunkt „Aus Bild erstellen“, unter dem ihr ein Foto eurer Wahl hochladen könnt, das ihr dann auf seine Farben analysiert. Verwendet am Besten ein Foto, das dem zu kolorierenden ähnelt und zieht die Kreise auf verschiedene Stellen im Gesicht. Es empfiehlt sich drei unterschiedlich helle Stellen des Gesichts und zwei der Lippen zu verwenden. Speichert nun das Schema unter einem beliebigen Namen ab und wechselt wieder zu Photoshop.

 

Abbildung 4: Fotos kolorieren - Farbschema

Abbildung 4: Fotos kolorieren – Farbschema

 

 

 

Grundlagen beim Kolorieren

Nun geht es los mit dem Kolorieren des Fotos. Klickt auf den Reiter „Bibliotheken“ in der oberen rechten Ecke von Photoshop. Vielleicht befindet es sich bei euch woanders. Im Zweifelsfall könnt ihr den Reiter unter Fenster -> Bibliotheken einblenden. Wählt dort nun den mittleren Hautton mit einem einfachen klick aus. Jetzt müsst ihr das wichtigste Werkzeug in der Bildkolorierung nutzen: die Farbfläche. Diese findet ihr unter den Ebenen wenn ihr auf den geteilten Kreis klickt. Die ausgewählte Farbe sollte bereits als Füllfarbe gewählt sein, ihr müsst also nur noch mit Okay bestätigen.

 

Abbildung 5: Fotos kolorieren - Farbfläche erstellen

Abbildung 5: Fotos kolorieren – Farbfläche erstellen

 

Aber warum Farbflächen? Ganz einfach. Sie bieten den Vorteil, dass ihr den Farbton mit einem Doppelklick jederzeit ändern könnt, ohne diese einfärben oder neu maskieren zu müssen. Und glaubt mir, das werdet ihr sehr oft tun.

Abbildung 6: Fotos kolorieren - Farbschema in Photoshop

Abbildung 6: Fotos kolorieren – Farbschema in Photoshop

Stellt den Mischmodus der Farbfläche nun auf „Farbe“. Ihr seht sofort wie sich euer komplettes Foto in Hautfarbe einfärbt. Und genau das wollen wir. Klick nun auf die Ebenenmaske hinter der Farbfläche, legt schwarz auf eure Primärfarbe (Drückt D, dann X) und färbt die komplette Maske mit Alt + Löschen schwarz ein. Euer Foto hat nun wieder die Ausgangsfarbe.

Für den folgenden Schritt empfiehlt es sich ein Grafik Tablett zu benutzen, da ihr nun sehr fein arbeiten müsst. Wählt den Pinsel mit der Farbe Weiß aus (Drückt B, dann X) und stellt diesen auf sehr weich und in einer passenden Größe ein. Anschließend müsst ihr alle Hautpartien mit dem Pinsel nachmalen.

Wiederholt das mit allen Farben beziehungsweise Bereichen im Foto. Achtet darauf, dass es im ganzen Bild keine reinen Grautöne mehr geben darf. Denn diese kommen in der Natur nur sehr selten vor, und so sollte es sich hier auch verhalten.

 

Abbildung 7: Fotos kolorieren - Farbfläche

Abbildung 7: Fotos kolorieren – Farbfläche

 

 

Auf die Feinheiten kommt es an

Grundsätzlich solltet ihr Objekte nur selten komplett einfarbig bemalen. Verwendet beim Gesicht beispielsweise in schattigen Partien mit dem Mischmodus „Weiches Licht“ eine Farbfläche mit etwas dunkleren Farbtönen und passt ihre Deckkraft so an, dass es natürlich aussieht. So wirken Gesichter oder Objekte wesentlich lebendiger. In unserem Beispiel habe ich das auch bei der Wiese oder den Büschen gemacht, um diese sehr großen Flächen nicht zu eintönig wirken zu lassen. Durch den Mischmodus Farbe wird die Intensität der Farbfläche zwar an jeden Bereich angepasst, jedoch wirkt das Bild dann dennoch sehr trist.

Auch weiße Flächen, wie beispielsweise die Augen oder Zähne müsst ihr leicht einfärben. Ein sehr helles Orange oder Hellrot ist in diesem Fall angebracht. Betrachtet ihr eure eigenen Augen oder Zähne, werdet ihr schnell feststellen, dass diese Farben auch bei euch vorkommen.

 

Abbildung 8: Fotos kolorieren - Beispiel Spiegelung

Abbildung 8: Fotos kolorieren – Beispiel Spiegelung

 

In dem Beispiel in Abbildung 8 seht ihr auch, dass Chromteile vorkommen. Der größte Fehler wäre nun, diese einfach grau zu lassen. Denn im Chrom spiegelt sich die gesamte Umgebung wider. Also sollte diese auch farblich hier zu sehen sein. Ich habe das durch das Grün der Wiese und ein helles Blau am Himmel umgesetzt.

Beachtet ihr solche Details, wird zum einen klar, welcher Aufwand hinter dem Kolorieren steckt, aber zum anderen erhaltet ihr ein Foto, bei dem womöglich niemand merken wird, dass es einmal schwarz/weiß war.

 

 

Fotos kolorieren - koloriert

Fotos kolorieren – koloriert

 

 

Fazit

Ich weiß, dass viele von dem Arbeitsaufwand, der hinter dem Kolorieren von Fotos steckt, womöglich abgeschreckt wird. Doch ich kann euch versprechen, dass ihr mit jedem Foto schneller werdet. Für das Beispiel in diesem Beitrag habe ich beispielsweise lediglich 4,5h benötigt. Und ich habe dabei wirklich jedes Detail ausgearbeitet. Also sollte euch das Thema interessieren, könnt ihr die Bearbeitung durch einige Shortcuts wesentlich beschleunigen und so deutlich effektiver arbeiten. So wird die Zeit irgendwann kein Problem mehr sein.

Ihr möchtet mehr zum Thema Fotografie lernen? Dann schaut auch nächste Woche wieder vorbei, wenn Lucas euch ein weiteres spannendes Thema präsentiert. Bis dahin eine schöne Woche 🙂

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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