Panorama-Fotografie

Panorama-Fotografie

Panorama-Aufnahmen machen kann doch jeder! Auch wir wissen, dass heutzutage jedes aktuelle Smartphone Panoramas aufnehmen kann – das ist aber nicht undbedingt etwas für Fotografen, die Wert auf Qualität legen. Deshalb zeigen wir euch in unserem Beitrag zum Thema Panorama-Fotografie mit der Spiegelreflex, wie und mit welchen Hilfsmitteln ihr hochaufgelöste Panoramas erstellt.

Was ist ein Panorama?

Ein Panorama ist ein Bild, welches in der Regel deutlich breiter als eine normale Fotoaufnahme ist und einen sehr breiten Bildbereich, zum Beispiel einer Landschaft, zeigt. Solche Aufnahmen werden oft auf sehr einfache Art und Weise mit einem Smartphone mit entsprechender Kamera-Funktion aufgenommen. Da wir uns hier aber hauptsächlich mit Spiegelrelfexkameras beschäftigen, gehen wir auch in unserem Beitrag weiter auf die Aufnahmen mit einer DSLR ein. Mit hilfe von einigen kleinen Hilfsmitteln kann man schnell und mit wenigen Schritten tolle Aufnahmen erzeugen.

 

Rohaufnahmen

Technik

Habt ihr euch dazu entschlossen, ein Panorama aufzunehmen, benötigt ihr im Minimal-Fall eigentlich nur eine Kamera und eine Software, in der ihr Panoramen zusammenbauen könnt. Natürlich gibt es noch weitere Assistenten, die euch das Leben etwas erleichtern, diese sind aber nicht zwingend nötig. Wollt ihr ganz professionell ein Panorama fotografieren, denkt an ein Stativ und einen Panorama-Kopf, ein sogenannter Nodalpunkt-Adapter. Ein ordentliches Stativ sollte ohnehin zu der Standard-Ausstattung eines jeden (Hobby-)Fotografen gehören, sofern ihr aber einigermaßen ruhig stehen und sillhalten könnt, ist ein Stativ nicht unbedingt nötig. Das Panorama, welches im Beitrag gestackt wird, wurde mangels mitgereistem Equipment freihand aufgenommen, also ohne Stativ oder andere Helferlein.

Ihr könnt theoretisch jede Kamera nutzen, die ihr möchtet. In unserem Fall eine Nikon D750. Bei der Wahl der Kamera könnte es hilfreich sein, anstatt einer Vollformat-Kamera sogar eine APS-C-Kamera zu verwenden. Durch den kleineren Sensor entsteht bei kleinerer Blende nicht so schnell eine Unschärfe in der Entfernung. Das ist durchaus nützlich, solltet ihr Landschaftsaufnahmen wie wir in einem Gebirge machen und bis „hinten“ alles scharf gestellt haben wollen. Bei entsprechendem Licht kann man natürlich auch die Blende schließen und eine Vollformat-Kamera benutzen.

Bei der Wahl des Objektives sind an sich auch keine Grenzen gesetzt. Habt ihr ein Weitwinkel-Objektiv mit beispielsweise 12-24mm Brennweite, genügen unter Umständen schon ein oder zwei Fotos für den gesamten Bereich. Ein Foto alleine ist natürlich kein gestacktes Panorama – es sollten also mindestens zwei Aufnahmen sein, wobei zu bedenken ist, dass die Gesamtanzahl der Megapixel des fertigen Bildes mit der Anzahl der Einzelbilder steigt. Logischerweise aber nur, wenn die Bilder auch jeweils unterschiedliche Bildausschnitte abbilden. In unserem Panorama haben wir ein 24-120mm-Objektiv auf 24mm Brennweite benutzt.

 

Aufnahmen machen

Nun zu den Aufnahmen selbst: Je nachdem, wie groß euer Aufnahme-Bereich ist, könnt ihr mehrere Bilder aufnehmen. Für unser Panorama haben wir 9 Bilder benutzt. Ihr stellt die Kamera dabei ein, als wolltet ihr ein Einzelbild aufnehmen (wir nehmen hier ja kein HDR auf!). Ist die Kamera richtig eingestellt, könnt ihr loslegen und – wie bei einem Smartphone – euch auf der Stelle drehen und Bild nach Bild fotografieren. Achtet hierbei darauf, dass sich von Bild zu Bild Stellen überlappen, da die Software nachher keine gemeinsamen Punkte zur Ausrichtung finden kann. Circa 20% Überlappung reichen meistens aus. Bei der Einstellung der Werte an der Kamera muss bedacht werden, dass sich die Lichtverhältnisse von Bildausschnitt zu Bildausschnitt verändern können. Es sollte also weder zu hell, noch zu dunkel sein. Auch sehr wichtig: es MUSS manuell fokussiert werden! Am Besten setzt ihr den Fokus vor der ersten Aufnahme und behaltet diese Einstellung durch alle Aufnahmen bei. Missachtet ihr das, kann es Sprünge im Fokus innerhalb des Panoramas geben. Das sieht nicht schön aus und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass eure Serie unbrauchbar wird.

 

Wie verbinde ich die Einzelbilder?

Habt ihr eure Fotos im Kasten geht es jetzt an das Zusammenbauen des Gesamtwerkes.

 

Programme

Es gibt unzählig viele Programme, die Panorama-Fotos erzeugen können. Wir nutzen zwei verschiedene Programme. Photoshop und Panorama Studio 3 Pro. Photoshop hat eine Funktion (Datei -> Automatisieren -> Photomerge) zum Stacken. Allerdings treten dabei oft Fehler auf und die Bearbeitungsfunktionen lassen ebenfalls etwas zu Wünschen übrig. Aus diesem Grund verwenden wir das Panorama Studio 3 Pro. Mit diesem Programm und einem Nodalpunkt-Adapter lassen sich übrigens auch hervorragend 360°-Kugelpanoramen erzeugen.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich das Programm zuzulegen: nutzt ihr es nur für den privaten Einsatz und nur für Panorama-Aufnahmen, reicht auch die Standard-Version. Beide Versionen gibt es für Mac und Windows.

 

Panorama erstellen

Jetzt wollen wir unsere Bilder zusammenbauen.

Öffnet das Programm. Folgender Bildschirm wird euch angezeigt.

 

Panorama Studio Startbildschirm

Panorama Studio Startbildschirm

 

Klickt im Fenster auf „einreihiges Panorama erstellen„. Danach verschwindet das Fenster in der Mitte und ihr könnt per Drag-and-Drop eure Rohaufnahmen in das Programmfenster ziehen. Hier funktionieren viele Arten von Formaten. Sogar RAW-Dateien sind nutzbar.

 

Panorama Rohdaten

Panorama Rohdaten

 

Nach einer kurzen Rechen-Pause zeigt euch das Programm eure Einzelbilder in der Reihenfolge an, in der sie verarbeitet werden. Am Besten sind die Dateinamen fortlaufend von links nach rechts oder anders herum, sodass die Reihenfolge automatisch erkannt wird.

 

Panorama Bild-Analyse

Panorama Bild-Analyse

 

Nachdem die Reihenfolge passt, klickt auf den Button „Vorgaben„.

 

Panorama Vorgaben

Panorama Vorgaben

 

Im Vorgaben-Fenster wählt ihr die entsprechenden Einstellungen für eure Kamera. Speichert eure Kamera die Brennweite und Sensorgröße in die EXIF-Daten der Fotos, klickt auf „Exif-Brennweite verwenden“. Damit spart ihr euch die Einstellungen. Je nachdem, wie das benutzte Objektiv verzerrt, wählt die Verzerrungskorrektur aus. Hier benötigt es durchaus ein bis zwei Versuche, bis die Verzerrung bestmöglich rausgerechnet wird. Auch die Vignettierungskorrektur ist wichtig, damit keine dunklen Stellen in den Überlappungsbereichen entstehen. In unserem Fall benötigen wir dann noch eine Zylindrische Projektion und der Horizont liegt bei etwa 50% der Bildhöhe, also Mittig. Sollte das bei den Aufnahmen anders sein, muss diese Einstellung angepasst werden.

Klickt auf „Ok“ und danach im Programmfenster auf „Ausrichten“ -> „Teilpanorama ausrichten“. Panorama Studio legt los und zeigt euch kurze Zeit später das grobe Ergebnis an.

 

Panorama Roh

Panorama Roh

 

Rohpanorama verfeinern

Wie im Beispielbild zu sehen hat alles bisher super geklappt. Lediglich oben und unten am Bildrand fehlen Informationen. Das passiert, weil bei der Berechnung des Gesamtbildes die Verzerrungen entfernt und „plattgedrückt“ werden. Daher erhalten die Einzelaufnahmen eine rundliche Form.

Mit einem Klick auf „Berechnen/Zuschneiden“ geht es weiter.

 

Panorama Zuschnitt

Panorama Zuschnitt

 

Unser Programm schlägt uns durch den rot eingezeichneten Rahmen die maximale Größe des Panoramas vor. Solltet ihr damit bereits zufrieden sein, klickt auf „Ok“ und das Bild wird zugeschnitten. Soll nur ein Teil des Bildes behalten werden, weil beispielsweise der Rand uninteressant ist, kann das dort eingestellt werden.

 

Panorama Speichern als Bild

Panorama Speichern als Bild

 

Nach dem Zuschnitt wird Gespeichert. „Speichern“ -> „Als Bild speichern unter…„.

 

Panorama Datei speichern

Panorama Datei speichern

 

Hier gibt es nun auch wieder einige Möglichkeiten bei den Export-Formaten. Wir nutzen hier *.tiff oder *.psd, sodass wir in Photoshop dann die weitere Bearbeitung wie mit jedem anderen Bild auch durchführen können.

 

Fazit

Habt ihr euer Bild dann schlussendlich nochmals durch Photoshop oder das Bildbearbeitungsprogramm eurer Wahl aufgehübscht, könnte es dann so aussehen:

 

Panorama 1 - Nockalm-Straße

Panorama 1 – Nockalm-Straße

 

Ein weiteres Ergebnis aus vier Bildern sieht so aus:

 

Panorama 2 - Bled

Panorama 2 – Bled

 

Eine relativ einfache Technik erlaubt mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und Ausdauer das Erzeugen von Fotos mit Wow-Effekt! Durch die Verwendung mehrerer Bilder hat ein solches Foto schlussendlich schnell 100 Megapixel. Reinzoomen und Details ansehen ist also erwünscht 😉

Habt ihr Fragen zu unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung? Stellt sie uns gerne in den Kommentaren oder zeigt eure Ergebnisse her.

 

Autor: Lucas

Mein Name ist Lucas Mehler, bin 22 Jahre alt und studiere ebenfalls Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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