Double Exposure

Double Exposure

Die sogenannte Double Exposure, auf deutsch Doppelbelichtung, ist schon seit einiger Zeit im Trend und liefert immer wieder beeindruckende Kreationen. Von Menschen mit einem ganzen Wald als Haar, bis hin zu stark verfremdeten Tieren ist dabei quasi alles möglich. Sie gibt euch eine unglaubliche Freiheit beim Schaffen neuer Sichtweisen. Und wie genau das geht, erkläre ich euch in diesem Beitrag.

 

 

 

Was ist überhaupt die Double Exposure?

Bei der Double Exposure handelt es sich im Grunde, wie der Name schon vermuten lässt, um die doppelte Belichtung eines Bildes. Es liegen also zwei unterschiedliche Motive, meist ein Portrait und ein Landschaftsbild, übereinander. Hierbei überlagern sich jedoch nur die dunklen Bereiche des ersten Fotos mit den entsprechenden Bereichen des zweiten – das Negativ wird also multipliziert. Dadurch entsteht eine Vermischung der Wirklichkeiten zu einer komplett neuen Komposition, was euch künstlerisch die Möglichkeit gibt, komplette Gegensätze in einer einzelnen Kontur zu vereinen: Beispielsweise ein Hirsch mit den Rauchenden Schornsteinen einer Fabrik als Geweih.

Ursprünglich stammt diese Technik aus der analogen Fotografie und bedeutete schlichtweg das erneute Belichten ein und des selben Bildes eines Films. Dadurch verschwimmen die Konturen der beiden Bilder zu einem und es entsteht ein geisterhafter Effekt.

Heute kann dieser Effekt mit den meisten DSLRs immer noch über die Firmware umgesetzt werden – die Funktion findet ihr in der Regel in den Effekteinstellungen eurer Kamera. Jedoch werden heutzutage zunächst beide Fotos geschossen und anschließend digital übereinander gelegt. Da die Funktionen der Kameras bei diesem Effekt meist sehr eingeschränkt sind, solltet ihr hierauf jedoch verzichten und die Bearbeitung in Photoshop bevorzugen.

 

Double Exposure - Wald im Haar von Sophia

Double Exposure – Wald im Haar

 

 

Wie erstelle ich eine Double Exposure in Photoshop?

Klar, das Bearbeiten in Photoshop hat eigentlich nicht mehr viel mit der ursprünglichen Double Exposure zu tun. Doch dafür erhaltet ihr hier deutlich mehr Freiheiten und könnt wesentlich bewusster umfangreichere Kompositionen erstellen. Und so geht ihr vor:

  1. Schnappt euch ein Model, geht ins Studio und schießt vor neutral-grauem Hintergrund ein paar Portraits im Profil. Habt ihr eine andere Pose im Kopf, funktioniert das natürlich genauso, aber üblich ist eben diese Pose. 
  2. Sucht euch einen Landschaftsausschnitt mit markanten Merkmalen, wie herausstehenden Tannen, spitzen Bergen oder ähnlichem, und fotografiert diesen. Auch hier sind eurer Kreativität, wie immer, keine Grenzen gesetzt. Schießt am Besten aus unterschiedlichen Perspektiven, um sicher sein zu können, dass ihr später auch die passende Form dabei habt. 
  3. Öffnet nun das Portrait in Photoshop und passt es nach euren Wünschen an. 
  4. Ist das erledigt, öffnet die Tonwertkorrektur eures Bildes am Mac mit CMD+L oder unter Windows mit STRG+L.
    Hierbei geht es jetzt darum das Foto in Sachen Kontrast und Helligkeit für die weitere Verarbeitung vorzubereiten.
    Schiebt nun den linken Regler nach rechts, den rechten Regler nach links und passt gegebenenfalls über den mittleren Regler das Bild so an, dass es eurer Meinung nach noch natürlich wirkt. Wichtig ist, dass ihr die beiden äußeren Regler so verschiebt, dass das Bild etwas zu hell ist, und gleichzeitig satte Tiefen hat. Bestätigt mit Okay.
     

    Abbildung 1 - Helligkeit anpassen

    Abbildung 1 – Helligkeit anpassen

     

     

  5. Jetzt geht es ans Freistellen des Kopfes. Wie das mit neutral-grauem Hintergrund geht, haben wir euch hier erklärt. Habt ihr jedoch nicht den Luxus eines Studios, wie vermutlich die meisten hier 😛 , müsst ihr in Photoshop nur das Schnellauswahl-Werkzeug verwenden. Markiert hiermit den gesamten Hintergrund und klickt anschließend auf „Auswählen und maskieren“ in der oberen Leiste.
    Passt nun alle Einstellungen so an, dass die Kanten eurer Auswahl möglichst exakt sind und kehrt die Auswahl um. Dann erstellt ihr eine Maske von eurem Kopf.
     

    Abbildung 2 - Hintergrund entfernen

    Abbildung 2 – Hintergrund entfernen

     

     

  6. Legt eine neue Ebene unter der mit dem Kopf an und füllt sie mit einer Farbe eurer Wahl. Normalerweise wird hier weiß oder hellgrau verwendet. 
  7. Fügt nun das Foto mit eurer Landschaft als neue Ebene in den Vordergrund ein und positioniert sie so, wie sie am Besten in euer Motiv passt. Dupliziert nun die Ebenenmaske eures Portraits auf die Landschaft. Jetzt dürfte sowohl beim Portrait, als auch bei eurer Landschaft das Bild nur noch innerhalb des Kopfes sichtbar sein. 
    Abbildung 3 - Maske auf Vordergrund anwenden

    Abbildung 3 – Maske auf Vordergrund anwenden

     

     

  8. Bewegt jetzt die Ebene des Portraits über die der Landschaft und färbt über Bild —> Korrekturen —> Sättigung verringern euer Portrait schwarz-weiß ein. 
  9. Anschließend müssen wir die Tiefen des Portraits noch etwas verstärken. Dies macht ihr wieder über CMD+L beziehungsweise STRG+L. Zieht hier den linken Regler relativ weit nach rechts. In unserem Fall war es über die Hälfte hinaus. 
    Abbildung 4 - Kontrast anpassen

    Abbildung 4 – Kontrast anpassen

     

     

  10. Optional könnt ihr jetzt noch den Farbton eures Portraits an euren Hintergrund anpassen. Dazu wählt ihr die Ebene des Portraits an und drückt CMD+U beziehungsweise STRG+U und setzt dort den Haken bei „Färben“. 
  11. Nun könnt ihr euer vorläufiges Ergebnis betrachten, indem ihr den Ebenenmischmodus der Portrait-Ebene auf „Negativ multiplizieren“ stellt. Die beiden Fotos werden dadurch vermischt. 
    Abbildung 5 - Ebenennegativ multiplizieren

    Abbildung 5 – Ebenennegativ multiplizieren

     

     

  12. Abschließend könnt ihr die Masken der beiden Ebenen noch anpassen, um bestimmte Bereiche hervorzuheben oder auszublenden. Dies funktioniert in der gewohnten Weise durch anklicken der Maske und anschließend mit dem Pinsel schwarz zum Entfernen oder weiß zum Hinzufügen auf die Ebene malen. 
  13. Fertig!

 

 

Double Exposure

Double Exposure

 

 

Fazit

Ihr seht, die Basics sind gar nicht so schwer. Und wenn ihr jetzt noch ein wenig Zeit mehr investiert, tolle Ausgangsbilder habt oder sogar mehr, als nur zwei Fotos kombiniert, könnt ihr damit atemberaubende Kompositionen schaffen. Vielleicht bringt ihr auch etwas Farbe ins Spiel oder nehmt sie komplett aus dem Bild. Eurer Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Also, viel Spaß beim Ausprobieren!

Schaut auch nächste Woche wieder vorbei, wenn wir euch ein weiteres spannendes Thema aus der Fotografie erklären. Bis dahin eine schöne Woche 🙂

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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