Mond fotografieren - Halbmond im Anschnitt

Mondfotografie – Halbmond im Anschnitt

Viele von euch haben sich sicher schon mal gefragt, wie man eigentlich diese wunderbaren Aufnahmen vom Mond zustande bekommt. So ging es uns auch! Und da Chris sich damit auskennt, haben wir ihn einfach gefragt, ob er uns das einmal erklären kann. Das Ergebnis seht ihr in diesem Beitrag.

 

 

 

Bei der Mondfotografie gehören 3 Dinge zum wichtigen Repertoire: Ein Stativ, ein Objektiv mit hoher Brennweite und Software zum Nachbearbeiten der Bilder. Damit kann man bereits mit wenig Geld beeindruckende Bilder schießen.

 

Mond fotografieren - Halbmond

Mondfotografie – Halbmond

 

Grunddaten zum Fotografieren des Monds

Ein paar Daten zum Anfang. Um den Mond formatfüllend abzulichten, benötigt man in etwa 2500mm Brennweite (gemessen am Kleinbild). Solch ein Teleskop (oder Objektiv) ist allerdings nicht nötig, da man bei den meisten Kameras in das Bild zoomen kann (crop). Mit einem Spiegelteleobjektiv mit 600/800/1000mm kann man für knapp 100€ günstig in die Mondfotografie einsteigen. Oder man hat bereits ein Teleobjektiv, welches bis mindestens 500mm geht.

Des Weiteren sollte das seeing, also die Klarheit des Himmels, gut sein, damit auch die Bilder gut werden. Wenn es nebelig oder sehr warm ist, können Luftirritationen das Foto beeinträchtigen.

Versucht den Mond am Zenit zu fotografieren. Wenn er schon nahe am Horizont ist, erhöht das die Möglichkeit von Luftflimmern. Der Vollmond sieht zwar verlockend groß und schön aus, ist aber für Detailreiche Aufnahmen nicht geeignet. Das Ganze ist physikalisch begründet und liegt am Lichteinfall. Die meisten Details lassen sich bei 25% bis 75% Sichtbarkeit des Mondes wahrnehmen.

 

 

 

Einstellungssache

Wie das bei normaler Telefotografie auch der Fall ist, darf die Belichtungsdauer nicht zu lang sein. Es gehen Details verloren und der Mond verschwimmt durch die Erdrotation. Aus diesem Grund sollte mindestens 1/80 Sekunde eingestellt werden, besser noch 1/180s. Die Blende sollte nicht ganz offen sein, da sich mehr Details bei f8 bis f10 ausmachen lassen, als bei Offenblende. Der ISO Wert sollte, eurer Kamera entsprechend, im kleinen Rahmen gehalten werden, um ein Rauschen zu verhindern. Bei den meisten modernen Kameras sollten Werte bis ISO 1000 kein Problem darstellen. Mit diesen 3 Werten kann man etwas herumspielen, sollte aber immer in den genannten Bereichen bleiben.

 

Mond fotografieren - Halbmond

Mond fotografieren – Halbmond ( aufgenommen mit: Fuji X-T20 + Maksutov 10/1000 (F10, 1000mm) )

 

 

Aufnahmen

Bei den Aufnahmen ist es Sinnvoll einen Fernauslöser und gegebenenfalls die Spiegelvorauslösung zu benutzen, um Verwacklungen zu reduzieren. Des Weiteren macht es Sinn, die Serienbild Funktion einzusetzen, um möglichst viele Bilder zu machen.

Wenn man als Ergebnis nur eine Einzelbildaufnahme haben möchte, ist man hier schon am Ende angekommen. Das beste Bild raussuchen und noch etwas in Photoshop bearbeiten. Wer noch mehr aus den Bildern holen will, sollte jetzt weiterlesen.

 

 

 

Filmaufnahmen vom Mond

Für einen Film werden, je nach Einstellung, 24-60 Bilder pro Sekunde aufgenommen und als Videodatei gespeichert. Dabei entsteht keine mechanische Auslösung, was die Verwacklung noch mehr reduziert. Je nach Kamera können viele Modelle auch schon in 4K aufnehmen, aber auch Full HD reicht für die nächsten Schritte aus, wenn man den Mond nicht auf Postergröße ausdrucken möchte. Anstelle eines Bildes, macht ihr einen kleinen Film vom Mond. Dabei müsst ihr drauf achten, dass er durch die Erdrotation nicht aus dem Bild „wandert“. Bei 30 Frames pro Sekunde reicht meist schon 1 Minute an Filmmaterial aus. Je mehr Frames, desto besser. Man sollte jedoch auch an die Rechenleistung des Computers denken. 500-1000 Frames ist ein guter Richtwert.

 

 

 

Bearbeitung

Die Videodatei kann nun mit einem beliebigen Programm in .JPG oder .Tiff Dateien umgewandelt werden. Das kann etwas dauern und auch viel Speicherplatz in Anspruch nehmen. Mit dem kostenlosen Programm PIPP geht das sehr gut und es lässt sich auch gleich der Bereich nur auf den Mond zuschneiden, was Zeit und Platz spart. Diese Einzelbilder werden nun zum Beispiel mit dem kostenlosen Programm Registax oder AutoStakkert geladen und zuerst alle zentriert. Dieses Verfahren wird „alignment“ genannt, bei dem der „gewanderte“ Mond auf jedem Bild an dieselbe Stelle verschoben wird. Wenn dies erledigt ist, werden alle (oder nur ein Prozentsatz der besten) Bilder miteinander verrechnet. Das sogenannte „Stacken“ hilft das Rauschen der Bilder zu reduzieren und am Ende das Bild beinahe verlustfrei zu schärfen. In Registax lässt sich das Bild über den Wavelet Reiter direkt im Programm schärfen, was sehr Sinnvoll ist. In Photoshop würde das nur über spezielle Plug-ins funktionieren. Wenn man mit dem Schärfen fertig ist, kann man das Bild exportieren und den letzten Feinschliff in Photoshop angehen. Hier sind der Fantasie dann keine Grenzen mehr gesetzt.

 

 

Für genaue Anleitungen und Beispiele ist es sinnvoll bei YouTube vorbeizuschauen um die Programme und Abläufe in jedem Schritt genau verfolgen zu können. Am Ende zeigen wir euch nochmal einen Unterschied zwischen einer Einzelaufnahme und einem Stack. Anhand dieses Bildes kann man deutlich sehen, dass sich der Mehraufwand lohnt.

Viel Spaß beim selber ausprobieren.

 

Mondfotografie - Vergleich Single Shot / 4K Stack

Mondfotografie – Vergleich Single Shot / 4K Stack

 

Eine sehr gute Anleitung zur Mondfotografie von Chris, wie wir finden! Somit möchten wir uns am Ende dieses Beitrags noch einmal herzlich bei ihm bedanken und euch seine Seiten ans Herz legen. Schaut hier unbedingt einmal vorbei, denn Chris kann nicht nur den Mond sehr schön in Szene setzen 🙂

Chris auf Instagram

Chris im Web (altglasfoto.de)

 

Ihr möchtet mehr zur Fotografie erfahren? Dann schaut auch, wie gewohnt, wieder am nächsten Mittwoch vorbei, wenn wir euch ein weitere spannendes Thema erläutern! Bis dahin einen schönen Sonntag und eine schöne Woche 🙂

Autor: Kevin

Mein Name ist Kevin Schipper, ich bin 22 Jahre alt und studiere Digitale Medien an der Hochschule Fulda.

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